Ursachen der Evolution bei Darwin

Charles Darwin hatte, laut dem US-amerikanischen Philosophen Daniel Dennett, mit der Evolutionstheorie die beste Einzelidee der Geschichte. Der 1809 geborene britische Naturforscher, Kind einer Ärztefamilie, begann ein Medizinstudium, erkannte sein Interesse an den Naturwissenschaften, wechselte zum Theologiestudium, reiste mit einem Forschungsschiff um die ganze Welt und hatte eine Idee, die die Welt verändern sollte.

Darwins Evolutionstheorie

Darwin, der zeit seines Lebens einen unheimlichen Sammelzwang hatte, kam, angetrieben durch die Funde während seiner Weltreise, auf die Idee, dass sich Lebewesen durch Variation und natürliche Zuchtwahl an ihre Umwelt anpassen. Im Volksmund wird hier von „survival of the fittest“ gesprochen, was nichts anderes als „Überleben des am besten Angepassten“ bedeutet.

In seiner Theorie beginnt Darwin mit den individuellen Verschiedenheiten, in der Biologie mittlerweile als Variation beschrieben, die innerhalb einer Generation auftreten und vererbt werden. Damit schließt er diesen Gedanken direkt an den nächsten an, nämlich an den, dass nur die am besten Angepassten weiterleben, die ihre Anpassungen und individuellen Verschiedenheiten an ihre Nachkommen weitervererbt haben.

Doch Darwin verwendet neben der natürlichen Zuchtwahl noch die sexuelle Zuchtwahl, mit der er nichts anderes als die Auswahl des Geschlechtspartners meint und sagt: „Diese Form der Zuchtwahl hängt nicht von einem Kampfe ums Dasein […] ab, sondern von einem Kampfe zwischen den Individuen des einen Geschlechts […] um den Besitz des andern Geschlechts.“[1] Das Resultat sei „eine spärlichere oder ganz ausfallende Nachkommenschaft des erfolglosen Konkurrenten.“[2]

Synthetische Evolutionstheorie: Beweise oder sterbe

Durch den Fortschritt der Wissenschaften konnte Darwins Evolutionstheorie mittlerweile verifiziert und sogar erweitert werden. In der modernen Biologie wird die Synthetische Evolutionstheorie als Standardmodell der Evolution gesehen und ständig erweitert.

Diese Evolutionstheorie beruht auf Darwins Theorie und Werk Die Entstehung der Arten und enthält alle der drei oben aufgeführten Aspekte: die Variation, die natürliche Zuchtwahl und die sexuelle Zuchtwahl, wobei letztere beiden auch als Selektion bezeichnet werden. Natürliche und sexuelle Zuchtwahl wurden durch die künstliche Zuchtwahl/Selektion erweitert, die eine vom Mensch gesteuerte Zuchtwahl ist und die Fortpflanzungserfolge der Individuen steigert.

Bekannte Anhänger und Wegbereiter der Synthetischen Evolutionstheorie waren der Zoologe und Genetiker Theodosius Dobzhansky, der Mathematiker Ronald Fisher, die Biochemiker und Genetiker J.B.S. Haldane, der Genetiker Julian Huxley, der Zoologe und Biogeograf Ernst Mayr, der Paläontologe George Simpson und der theoretische Biologe Sewall Wright.


[1] Darwin, Die Entstehung der Arten (Zitat der neuen Rechtschreibung angepasst!)

[2] Darwin, Die Entstehung der Arten (Zitat der neuen Rechtschreibung angepasst!)

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Mithras-Kult

Die Ursprünge des Kultes für den Gott Mitra liegen im iranisch-persischen Kulturraum. Die Verehrung des Gottes Mitra gibt es wahrscheinlich schon seit Urzeiten, Nachweise existieren erst um ca. 1380 v.Chr.

Das Wort „mitra“ (altiranisch/altindisch) bedeutet Vertrag, Bund, Treue. Daraus schließt man, dass Mitra ein Gott des Vertrags, der Ehre und der Tugend war. Diese Bedeutung stammt aus der frühesten Zeit der Verehrung des Mitra.

Im Laufe der Zeit wurde Mitra zu einer allwissenden, alles sehenden Gottheit ausgestaltet und als solcher mit dem himmlischen Licht gleichgesetzt; Mitra wird daraufhin zu einer Lichtgottheit.

Mitra hatte in der Frühzeit noch eine relativ untergeordnete Stellung innerhalb des Pantheons. Als sich aber um 1000 v.Chr. die Trennung von indischem und iranischem Kulturraum vollzog, gewann Mithra an Bedeutung.

Nun begann ein weiterer Merkmal des Mithra sich auszuprägen: Man legte mehr Wert auf das Element des Kämpfens gegen das Böse und so nahmen ihn die Soldaten für sich in Anspruch, ebenso taten es auch die Herrscher. Mithra, der vor Schlachten angerufen wurde, wurde zu deren Beschützer im Kampf.

Verbreitung des Mithras-Kultes

Kleinasien wird zum Ausgangspunkt der weiteren Verbreitung der Mithra-Religion und zum neuen Zentrum der Verehrung für Mithra. Ab dem 4. Jh. v.Chr. lassen sich erste Ansätze einer Hellenisierung der Mithras-Religion in Kleinasien feststellen.

In dieser Zeit müssen sich in Kleinasien die Mysterien herausgebildet haben, in deren Mittelpunkt Mithras als kosmische Schöpfer- und Heilsgottheit steht. Neben diesen Eigenschaften bleibt er jedoch weiterhin der Wahrer der Verträge und der Schutzgott der Soldaten. Eine solche Anpassung an westliche Vorstellungen war die Grundsteinlegung für die Übernahme der mithrischen Religion durch die griechisch-römische Welt.

Nach Plutarch sind die Mithras-Mysterien im 1. Jh. v.Chr. durch Seeräuber nach Rom gebracht worden. In neuerer Zeit nimmt man an, dass sie erst im 1. Jh. n.Chr. durch Sklaven, Händler und v.a. Soldaten Eingang in das Römische Reich, d.h. zunächst in das italische Kerngebiet, gefunden haben.

Die Soldaten spielen bei der Verbreitung der Mithras-Mysterien eine wichtige Rolle. Sie verehren, wie schon in der Frühzeit des Kultus, Mithras als unbesiegbare Gottheit, die Tapferkeit und Edelmut verkörpert.

Die Tatsache, dass Soldaten in allen Teilen des Römischen Reiches stationiert waren und die einzelnen Legionen oder Teile der Legionen häufig den Standort wechselten, machte eine schnelle Ausbreitung in allen Teilen des Römischen Reiches möglich. Mithräen, die unterirdischen Heiligtümer des Mithras-Kultes, hat man besonders in Germanien, entlang der Donau und Gallien gefunden, also vorwiegend in den Grenzregionen des Imperium Romanum.

Ebenso wie die Soldaten, so waren auch Sklaven und Händler in allen Teilen des Reiches zu finden, wobei gerade in der Zeit vom 1. Jh. v.Chr. bis zum 1. Jh. n.Chr. zahlreiche Sklaven aus den gerade unterworfenen vorderasiatischen Gebieten, also aus denjenigen, die das Kerngebiet der Mithras-Verehrung darstellen, nach Westen transportiert wurden.

Bis zum Ende des 2. Jh.s n.Chr. gab es keine offizielle Bekanntmachung des Staates zum Mithras-Kult. Erst Kaiser Commodus unterstützte den Mithras-Kult. Er war der erste römische Kaiser, der sich in die Mysterien des Mithras einweihen ließ. Offenbar verstand er sich als Inkarnation des Mithras.

Die Tatsache, dass Mithras nun Zugang zu den höchsten Kreisen des Staates gewonnen hatte, verhalf dem Mithras-Kult zu noch mehr Einfluss. Die folgenden Kaiser arrangierten sich mehr und mehr mit dem Mithras-Kult und nutzten ihn für ihre Zwecke. Die Blütezeit des Mithras-Kultes liegt im 2. und 3. Jh. n.Chr.

Niedergang des Mithras-Kultes

In der Folgezeit wurde mit dem Verlust einiger Provinzen auch der Glaube an die Unbesiegbarkeit des Mithras gemindert. Ein besonders gravierender Rückschlag aber war der Sieg Constantins über das Heer des Licinius, das unter dem mithrischen Sonnenkreuz kämpfte. Währenddessen konnte sich das Christentum fast ungehindert weiter ausbreiten.

Mit der Herrschaft des Kaisers Theodosius war der Mithras-Kult endgültig dem Untergang geweiht. Das Christentum wurde zur Staatsreligion erhoben und alle anderen Kulte verboten. Durch dieses Verbot und die Tatsache, dass sich die Mithras-Gemeinden nun gewaltsamen, zum Teil grausamen Verfolgungen durch die Christen ausgesetzt sahen, konnten die Zeremonien des Mithras-Kultes von nun an nur noch versteckt und im Geheimen praktiziert werden. Auf diese Weise hielten sich vereinzelt noch Kultgemeinden in allen Teilen des Reiches bis ins 6. Jh. n.Chr. hinein.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass sich der Mithras-Kult nicht durchgesetzt hat, ist die Tatsache, dass er nicht überregional organisiert war; es gab unter den einzelnen Kultgemeinden kaum Austausch und keine übergeordnete Instanz, so dass die Mithras-Gemeinden doch isolierte Phänomene darstellten.

Ein erheblicher Nachteil im Vergleich zum Christentum war ebenfalls, dass der Mithras-Kult nur Männern zugänglich war, Frauen jedoch versperrt blieb.

Mithras-Mysterien – Inhalt des Kultes

Über die genauen Zeremonien der Kultfeiern und die eigentlichen Inhalte des Mithras-Kultes ist nur wenig bekannt, da die Glaubensinhalte geheim waren und aus diesem Grunde vielleicht niemals schriftlich festgehalten worden sind.

Die einzigen gesicherten Zeugnisse für den Mithras-Kult sind wüste Beschimpfungen, aus denen man nur ein sehr bruchstückhaftes und negativ gefärbtes Bild erhalten kann. Aber besonders die sogenannten Mithräen, unterirdische höhlenartige Tempel, in denen die Anhänger des Mithras-Kultes sich trafen und ihre Kultzeremonien feierten. Viele dieser Mithräen sind gerade deswegen, weil sie unterirdisch angelegt worden sind, gut erhalten.

Ein Mithräum ist ein länglicher Raum mit gewölbter Decke. Vermutlich handelt es sich bei dieser Wölbung um ein Symbol des Himmels. An zentraler Stelle im Mithräum war ein Kultbild aufgestellt, das hauptsächlich zeigt, wie Mithras einen Stier tötet.

Ausgestaltung der Mithras-Mysterien

Welchen Inhalt auch immer der Mithras-Kultes gehabt haben mag, wissen wir doch um die Ausgestaltung des Kultgeschehens umso mehr.

Um an dem Wohl teilhaben zu können, muss man in den engeren Kreis des Mithras-Kultes aufgenommen werden. Die Aufnahmezeremonie wird Initiation genannt. Bevor sie jedoch stattfindet, muss der Initiand einen längeren Unterricht in der mithrischen Lehre absolvieren.

Erst danach kann die Initiation vollzogen werden. Dies geschah einerseits durch eine Taufe, die nach einiger Zeit durch eine Art „Konfirmation“ bekräftigt werden muss und andererseits durch körperliche Proben, die sehr hart gewesen sind, über die aber nichts Genaues bekannt ist.

Nach dieser Initiation konnte man sieben Weihestufen durchlaufen, wobei jeder Stufe eine Figur auf dem Kultbild entspricht:

  1. Die unterste Stufe hieß Corax (auf dt. Rabe) und symbolisierte den Raben auf dem Umhang des Mithras.
  2. Die nächste Stufe hieß Nymphus (auf dt. Verlobter) und wurde mit der Schlange assoziiert.
  3. Danach kam der Miles (auf dt. Soldat), der den Skorpion verkörperte.
  4. Die nächsthöhere Weihestufe war Leo (auf dt. Löwe), der sich auf dem Kultbild als Hund wiederfand.
  5. Die fünfte Weihestufe war Perses (auf dt. Perser), der dem Cautopates auf dem Kultbild entspricht.
  6. Die zweithöchste Stufe war der Heliodromus (auf dt. Sonnenläufer), dargestellt durch Cautes.
  7. Und die höchste Weihestufe schließlich war der Pater (auf dt. Vater), der den Mithras verkörperte.

Der Großteil der Gläubigen jedoch nahm die unteren Stufen ein. Der Pater als oberster Priester einer jeweiligen Gemeinschaft und gleichzeitig Stellvertreter des Mithras hatte die Leitung einer jeweiligen Mithras-Gemeinde inne. Die verschiedenen Weihestufen entsprechen dem Aufstieg der Seele zum Göttlichen.

Innerhalb des Kultes wurde von den Anhängern eine streng ethische Lebensführung erwartet, die den Einzelnen dazu bewegen sollten, in der Nachfolge des Mithras das Gute zu tun. Durch die gemeinsame Aufgabe des guten Handelns und der Hingabe innerhalb des Kultes entstand unter den Anhängern des Mithras-Kultes ein enges Gemeinschaftsgefühl, das durch die Enge des Kultraumes noch unterstützt wurde.

Dadurch konnte sich der Gläubige sich Hoffnungen auf ein Weiterleben nach dem Tod im Himmel machen.

 

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Ursachen der Evolution bei Lamarck

Jean-Baptiste Lamarck war französischer Botaniker, Zoologe, Begründer der modernen Wirbellosenzoologie und legte als erster Biologe eine ausformulierte Evolutionstheorie vor, die jedoch, wie wir heute wissen, nur teils zutrifft. Lamarcks Evolutionstheorie lässt sich in einen Haupt- und einen Nebengedanken gliedern; der Hauptgedanke ist nicht zutreffend, wohingegen der Nebengedanke seit dem späten 19. Jahrhundert als Lamarckismus in der Biologie anerkannt wird.

Der Hauptgedanke: Wachsen oder nicht wachsen, das ist hier die Frage

Lamarcks Hauptgedanke ist ziemlich einfach zu verstehen, hat jedoch etwas sehr Metaphysisches an sich. Der Franzose behauptete, dass ein inneres Gefühl die Fluida bei der Nutzung eines beliebigen Körperteiles in das jeweilige Körperteil lenken würde und es damit zur Weiterentwicklung dieses Körperteils kommen würde. Als Beispiel nimmt er kämpfende Wiederkäuer: „Bei ihren Wutausbrüchen […] lenkt ihr inneres Gefühl durch seine Anstrengungen die Fluida stärker auf diesen Teil des Kopfes hin [Anm. d. Autors: die Tiere stoßen bei den Wutausbrüchen mit den Köpfen gegeneinander], und es erfolgt hier bei den einen eine Absonderung von Hornsubstanz, bei den anderen eine Abscheidung von Knochensubstanz vermischt mit Hornsubstanz, wodurch feste Fortsätze [= Hörner] gebildet werden […].“[1]

Vereinfacht ausgedrückt heißt es also, dass durch das Zusammenstoßen der Köpfe der Geist eines Tieres Hörer ausbilden will und dadurch Hörner gebildet werden. Nicht nur, dass die Idee eines inneren Gefühls und einer Fluida wissenschaftlich betrachtet humbug ist, nein, auch hat die Theorie einen Fehler.

Geht man davon aus, dass Lamarck richtig lag, wäre der Gegenschluss, dass wenig gebrauchte Körperteile sich zurückbilden. Das würde bedeuten, dass Giraffen im Zoo, deren Nahrung meistens auf dem Boden liegt, mit der Zeit ihren langen Hals zurückbilden würden, weil sie diesen einfach nicht mehr gebrauchen. Lamarcks Hauptgedanke ist also falsch und diese Tatsache lässt sich durch einen Zoobesuch beweisen.

Der Nebengedanke: Vielleicht brauchen die nach mir es auch einmal

In seiner Zoologischen Philosophie stellt Lamarck jedoch einen Nebengedanken vor, der heute, wie bereits oben erwähnt, zentraler Bestandteil der Biologie ist, und in jedem Lehrbuch wiederzufinden sein wird. Die Sprache ist vom Lamarckismus.

„Jede Veränderung eines Organs vererbt sich auf die Jungen, wenn sie beiden Individuen gemein war, die durch die Befruchtung zur Fortpflanzung ihrer Art beigetragen haben.“[2]
Lamarck, der damals rein gar nichts über die Mendel’schen Regeln wusste, weil diese in der Fachwelt einfach ignoriert und für falsch gehalten wurden, und auch keine Ahnung von den vier Basen oder dem Genom hatte, greift den Punkt der Vererbung auf, der absolut richtig ist.

Wie man heute gentechnisch beweisen kann, haben die meisten Veränderungen des Erscheinungsbildes (Phänotyps) auch Auswirkungen auf das Genom (Genotyp) oder andersherum. Solche Veränderungen werden in der Regel auch vererbt.

Lamarcks Evolutionstheorie in seiner Zeit

Lamarck fand anfangs großen Anklang und viel Zustimmung, auch wenn es sicherlich einige Gegenstimmen gab. Gerade die Tatsache, dass seine Zoologische Philosophie die erste ausformulierte Evolutionstheorie in der Biologie war, machte sie weltberühmt und damit auch noch zum Gegenstand im heutigen Biologieunterricht, obwohl der Hauptgedanke falsch ist und lediglich ein kleiner Nebenaspekt richtig ist.


[1] Lamarck, Zoologische Philosophie

[2] Lamarck, Zoologische Philosophie

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Orff

Carl Orff war Komponist, Theatermann, Humanist und Pädagoge. Er wurde am 10. Juli 1895 als Sohn einer alten bayerischen Offiziers- und Gelehrtenfamilie in München geboren. In Orffs Elternhaus wurde regelmäßig musiziert. Vater Heinrich, Offizier, spielte Klavier und diverse Streich­instrumente, seine Mutter war ausgebildete Pianistin, sie erkannte und förderte die musikalische Begabung von Carl Orff. Im Alter von fünf Jahren erhielt Orff die ersten Klavierstunden, zwei Jahre später folgte der Unterricht auf dem Violoncello. Konzert- und Theater­besuche fanden bereits 1903 statt.

Von 1905 bis 1907 besuchte er das Ludwigsgymnasium, dann wechselte er auf  das Wittelsbacher-Gymnasium ebenfalls in München. 1912 verließ er vorzeitig die Schule, um an der Akademie der Tonkunst in München Musik zu studieren.

1916 war Orff Kapellmeister an den Münchner Kammerspielen. 1917 leistete er Kriegsdienst an der Ostfront und kam als Verwundeter kurz darauf nach Deutschland zurück. Ein Jahr später übte er das Amt des Kapellmeisters in Mannheim und Darmstadt aus.

Carl Orff war viermal verheiratet, darunter von 1954 bis 1959 in dritter Ehe mit der Schriftstellerin und Pädagogin Luise Rinser. Er hatte eine Tochter aus erster Ehe, die Schauspielerin Godela Orff.

Die These „Musik beginne im Menschen“ bildet die Grundlange zu Carl Orffs musikpädagogischem Konzept, das zu ›Elementarem Musizieren‹ ermuntern möchte. Darin sind Sprache, Tanz und Musik gleichwertige Ausdrucksformen.

Auch andere Kunstformen, etwa das darstellende Spiel und die bildnerische Gestaltung können miteinbezogen werden.

Das Märchen »Die verspielte Tochter des Mythos« bot Orff eine nie versiegende Inspirationsquelle für seine Werke. Er verwendete das Märchen ›Der Mond‹ der Brüder Grimm als Vorlage für sein ›Kleines Welttheater‹. Auch der Oper ›Die Kluge‹ liegen Märchen zugrunde. Mehr noch als im ›Mond‹ ist in der ›Klugen‹ die Sprache von zentraler Bedeutung.
Der musikalische Stil ist von den drastisch-derben Sprüchen aus einer Sprichwort-Sammlung von 1850 inspiriert.

Heute ist immer noch umstritten, ob Carl Orff Verbindungen zum NS-Staat hatte. Nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse wollte Orff eine Karriere in Deutschland machen und er hat sie gemacht. Er hat im nationalsozialistischen Deutschland gelebt und gearbeitet, er hat dieses System nicht befürwortetet, aber er hat auch nichts dagegen unternommen. Er war ein Mensch im NS-Staat wie viele andere auch, obwohl er für das Dritte Reich ein Werk für  die Olympischen Spiele von Berlin im Jahre 1936 komponiert hat.

1949 wurde Carl Orffs ›Antigone‹ zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. Die Sprachgewalt von Friedrich Hölderlins Nachdichtung des Trauerspiels von Sophokles begeisterte den Musikdramatiker. Mit ›Antigone‹ schuf er ein völlig neuartiges Musiktheater. Diesen Stil setzte er auch stets in ›Ödipus‹ fort.

Mit seinem persönlichsten Werk, ›De Temporum Fine Comoedia‹, dem ›Spiel vom Ende der Zeiten‹, beendete Carl Orff sein Lebenswerk.

In den Jahren 1975-81 dokumentiert Carl Orff sein künstlerisches Werk in der achtbändigen Veröffentlichung ›Carl Orff und sein Werk‹.

Carl Orff erhielt zahlreiche Auszeichnungen: Ehrendoktor wurde er in München und Tübingen, das Große Verdienstkreuz der Bundes­republik Deutschland erhielt er 1972. 1974 wurde Orff mit dem Romano-Guardini-Preis ausgezeichnet.

Gestorben ist Carl Orff am 29. März 1982 in München. Er wurde in der Schmerzhaften Kapelle der Klosterkirche zu Andechs beigesetzt, was für einen Nichtadligen und Nichtgeistlichen eine außer­gewöhnliche Ehre ist. In Andechs finden jeden Sommer Aufführungen zu Ehren von Orff statt.

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Iphigenie und Woyzecks Marie – zwei Frauenbilder prallen aufeinander

Unterschiedlicher könnten Frauenbilder gar nicht sein! Auf der einen Seite steht Iphigenie, die pflichtbewusste und nach den Idealen der Klassik und des Humanismus handelnde Priesterin, und auf der anderen Seite steht Marie, die Geliebte von Woyzeck, die nur ein Ziel hat, nämlich materiellen Reichtum und um dieses Ziel zu erreichen, ist ihr jedes Mittel recht.

Wie bereits erläutert, stellt Goethe mit seiner Figur Iphigenie das ideale Frauenbild der Klassik vor, die pflichtbewusst handelt, nach den Idealen der Klassik und des Humanismus entscheidet und immer eine Harmonie zwischen Pflicht und Neigung aufweist. Bei Woyzecks Marie ist das jedoch ganz anders.

Marie – oder wie Büchner die Frau darstellte

Büchner entschied sich in seinem Woyzeck für ein eher negativ belastetes Frauenbild als Vorlage für Marie, der Freundin des Protagonisten Woyzeck. Das beginnt bereits in der zweiten Szene, ganz deutlich zu werden:

„MARIE […]: He Bub! Sa ra ra ra! Hörst? Da komme sie.
MARGRETH: Was ein Mann, wie ein Baum.
MARIE: Er steht auf seinen Füßen wie ein Löw. (Tambourmajor grüßt.)
[…]
MARIE: Soldaten, das sind schöne Bursch…“[1]

Denn hier bewundert Marie, obwohl mit Woyzeck in einer festen Beziehung, die Soldaten und tanzt sogar später mit dem von ihr ungebetenen Tambourmajor. Vor allem aber bewundert sie die Besitztümer dieses Mannes, da sie selbst aus bettelarmen Verhältnissen stammt und Woyzeck ihr nicht das bieten kann, was sie will.

Büchner beschränkt seine Marie auf das reine Äußerliche und lässt sie auch nach diesen Äußerlichkeiten, wie Reichtum, handeln. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass Marie neben dem Pauperismus auch den Materialismus – ebenso wie Woyzeck selbst, wenn auch nicht so stark – verkörpert.

Marie und Iphigenie in direktem Vergleich

Der Unterschied zwischen diesen beiden Damen wurde bereits in den ersten Passagen deutlich, dennoch sollen beide einmal direkt gegenüber gestellt werden:

Iphigenie:                                                                             Marie:
– nicht auf Besitztümer angewiesen                                    – gierig nach Reichtum und               – pflichtbewusst                                                                         Besitztümern
– Humanismus                                                                        – handelt nach Neigungen
– aufrichtig und ehrlich                                                          – Egoismus
– verlogen und betrügerisch

Mit Marie und Iphigenie prallen also zwei Frauenbilder aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. So lässt sich definitiv ein Wandel der Frauenbilder im Laufe der verschiedenen Epochen feststellen.


[1] Woyzeck, Georg Büchner, Neuveröffentlichung 2010, Schöningh Verlag

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Goethes Menschenideal – Iphigenie auf Tauris

„Iphigenie auf Tauris“ gehört wahrscheinlich zu Goethes bekanntesten Werken – und das mit Recht! Mit seiner Iphigenie zeigt Goethe nicht nur den Konflikt zwischen Zwang und Wille auf, sondern zeigt dem Leser auch das Menschenideal.

Bevor ich das Menschenideal erläutern will, möchte ich kurz Inhalt des klassischen Dramas wiedergeben. Die Göttin Diana rettet Agamemnons Tochter Iphigenie vor ihrer Opferung durch ihren Vater und bringt sie auf die Insel Tauris, wo sie dem König Thoas fortan als Priesterin dienen muss. Völlig isoliert auf der Insel sehnt sie sich nach ihrer fernen Heimat und ihrer Familie, bis plötzlich ihr Bruder Orest vor ihr steht. Sie weiß nicht, was sie tun soll: ihrem Bruder folgen oder ihre Pflicht als Priesterin nachgehen? Hin- und hergerissen schafft sie es schließlich, Thoas zu überreden, sie ziehen zu lassen und sie ist wieder mit ihrer Familie vereint.

Iphigenie muss sich zwischen Pflicht und Neigung entscheiden. Auf der einen Seite will und muss sie vor allem ihre Pflicht als Priesterin im Tempel der Diana erfüllen, aber auf der anderen Seiten will sie mit ihrem Bruder zusammensein und mit ihm zurück in die Heimat fahren. Doch sie zeigt Harmonie in ihrem Handeln und diese Harmonie führt schließlich sogar zur Humanisierung der Menschheit.

Denn Thoas möchte Iphigenie nicht ziehen lassen, er liebt sie und will, dass sie heiraten. Er würde sie lieber sterben sehen, als ihr die Möglichkeit zu geben, mit ihrem Bruder zurück in die Heimat zu fahren. Aber Iphigenie schafft es, Thoas zu humanisieren, indem sie an ihn appelliert und sagt, dass wenn er sie wirklich liebt, sie gehen lassen sollte.

Damit greift Goethe nicht nur das Menschenideal der Klassik auf, sondern auf in Grundzügen die Kant’sche Ethik, die besagt, dass der gute Wille den moralischen Handlungen und Entscheidungen zugrunde liegen sollte.

Goethes Menschenideal und das Menschenideal der Klassik beruht also auf der Idee, dass der gute Wille die Grundlage von moralischen Handlungen und Entscheidungen ist und dass der Mensch humanisieren und verbessern sollte, in einer Harmonie von Pflicht und Neigung.

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West Side Story

Die West Side Story ist ein Musical. Es ist eine moderne Version von Shakespeares Tragödie “Romeo und Julia”, übertragen in das New York der 50er Jahre. Die Musik stammt von Leonard Bernstein, die Gesangstexte von Stephen Sondheim und das Buch von Arthur Laurents, die Idee aber stammte von dem Choreographen Jerome Robbins. Die Urfassung trug den Namen East Side Story.

Handlung

In der West Side Story geht es um zwei sich rivalisierende Straßenbanden in Amerika: Die Jets (Amerikaner) und die Sharks (eine eingewanderte Gruppe von Puertoricanern). Die Jets wollen die Sharks aus „ihren“ Straßen vertreiben. Der Anführer der Jets, Riff, möchte den Anführer der Sharks, Bernardo, am Abend des Tanzfestes zum Kampf herausfordern. Riff bittet Tony, den früheren Anführer der Jets an diesem Abend mitzukommen und ihm zu helfen. Bernardo ,dessen Schwester, Maria, gerade in die USA eingereist ist, hat den Puertoricaner Chino gebeten ihren Bruder zu unterstützen. Auf dem Tanzfest trifft Maria Tony und verliebt sich sofort in ihn.  Doch Bernardo gibt den beiden zu verstehen, dass sie verfeindeten Gruppen angehören.

Dann fordert Riff Bernardo auf, sich im Drugstore zu treffen um Waffen und Kampfplatz für die Auseinandersetzung zu bestimmen. Tony sucht nach dem Tanzfest Marias Wohnung und als er sie findet klettert er die Feuerleiter hoch und beide schwören sich  ewige Liebe. Während die Sharks ihre Mädchen nach Hause begleiten führt Bernando mit  Anita, seiner Freundin, ein Gespräch über die Vor- und Nachteile in Amerika zu leben. Inzwischen treffen die Jets im Drugstore ein und denken nur noch an den bevorstehenden Kampf. Riff mahnt sie cool zu bleiben. Kurze Zeit später taucht Bernardo und seine Gang auf. Nach einer heftigen Diskussion beschimpft Tony die Sharks als Feiglinge, da sie nicht den Mut aufbrächten sich in einem Zweikampf mit bloßen Händen zu messen. Einer von jeder Bande solle die Ehre aller verteidigen und zu einem Treffpunkt unter den Highway kommen.

Am Nachmittag des darauf folgenden Tages besucht Tony Maria nach Ladenschluss in der Schneiderei für Brautkleider, in der sie arbeitet. Maria bittet Tony inständig den Kampf zu verhindern. Tony gibt ihr das Versprechen. In der Dämmerung treffen sich die Banden unter dem Highway, doch bevor es zum Kampf kommt, geht Tony dazwischen. Bernardo, schon darüber zornig, dass dieser Jet sich für seine Schwester interessiert, stößt ihn zurück. Riff und Bernardo bedrohen sich mit Messern und im Verlauf eines wilden Duells wird Riff von Bernardo erstochen. Aus Rache sticht Tony auch Bernardo nieder. Die Sirenen der anrückenden Polizei beenden die Schlacht. Tony, allein bei Riffs und Bernardos Leichen, wird sich seiner gefährlichen Situation bewusst und kann der Polizei knapp entkommen.

In der Zwischenzeit macht sich Maria für das treffen mit Tony zurecht, denn dieser möchte sie seiner Mutter vorstellen. Da stürzt Chino herein und berichtet Maria über den Kampf. Maria will wissen, was mit Tony passiert ist und erfährt von Chino, dass Tony Bernando umgebracht hat. In den Straßen und Hinterhöfen macht die Polizei Jagd auf die Mitglieder der beiden Banden. Kurz nachdem Chino wieder weg ist, klettert Tony über die Feuerleiter zu Maria ins Zimmer. Verzweifelt halten sich die beiden in den Armen und sehnen sich danach an einem Ort ohne Hass und Vorurteile, glücklich und frei leben zu können. Dann werden die beiden plötzlich von Anita überrascht, doch Tony gelingt es, aus dem Fenster zu fliehen, nachdem er sich mit Maria im Drugstore verabredet hat.

Anita beschimpft Maria, weil sie noch immer mit dem Mörder ihres Bruders verkehrt. Anita erzählt Maria, dass Chino einen Revolver hat, mit dem er sich an Tony rächen will, als ein Polizeileutnant an die Tür klopft, um Maria zu befragen. Auf Marias Bitte hin, für ihre angeblichen Kopfschmerzen Tabletten zu holen, geht Anita in den Drugstore, um Tony vor Chino zu warnen. Dort wird sie von den Jets beschimpft und schlecht behandelt und Anita teilt ihnen deswegen eine falsche Nachricht mit. Sie sagt, dass Maria tot ist.

Tony irrt rasend vor Liebeskummer durch die Straßen, ruft laut nach Chino und fordert diesen auf ihn zu erschießen, weil sein Leben nach dem Tod von Maria keinen Sinn mehr hat. In diesem Moment sieht er Maria, die auf dem Weg zu ihrem vereinbarten Treffpunkt ist. Die Liebenden stürzen aufeinander zu. Da taucht Chino auf und erschießt ihn, in Marias Armen stirbt Tony. Maria , voll Schmerz, Zorn und wilder Verzweiflung  kann die beiden Banden überzeugen, dass kämpfen und morden vollkommen sinnlos ist. Gemeinsam tragen die Sharks und die Jets Tonys leblosen Körper weg und schließen Frieden miteinander.

Weitere Fakten

 

Nach den Probeaufführungen in Washington und Philadelphia wurde West Side Story am 26. September 1957 im Winter Garden Theatre in New York uraufgeführt. Das Stück wurde mit zwei Awaards ausgezeichnet. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 25. Februar 1968 in der Wiener Volksoper statt.

Verfilmung

Das Stück wurde 1961 verfilmt und dafür in vielen Szenen und auch musikalisch umgestellt. Der Film erhielt den Akademie-Preis und zehn Oscars.

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Globaler Terrorismus als Symptom der Globalisierung – Ein Kampf gegen die „westliche Dominanz“

Die Globalisierung bietet nicht nur große Chancen, sondern ebenso unheimliche Gefahren. Eine dieser Gefahren zeichnet sich seit Beginn dieses Jahrtausends immer deutlicher ab: der global terrorism (im Deutschen wird einfach globaler Terrorismus gesagt, der Begriff stammt allerdings aus den USA).

Al-Qaida als Prototyp

Unter globalem Terrorismus wird im Allgemeinen Terrorismus verstanden, der vor keinen Landesgrenzen zurückschreckt und international agiert. Als Prototyp eines solchen Terrorismus wird die islamische Al-Qaida verstanden, die für Attentate wie 9/11 verantwortlich ist. Auch die Entwicklung von Al-Qaida ist typisch für eine global operierende Terrororganisation: Gründung, um Guerilla- und Separationskämpfe zu unterstützen, doch dann musste die Führung erkennen, dass für die Umsetzung der Gruppenziele (Freiheit einer speziellen soziologischen Gruppe, z.B. Muslime im Fall von Al-Qaida) eine internationale Ausweitung nötig ist. Al-Qaida versteht unter Globalisierung das Übermächtig-Werden der westlichen Kultur (=westliche Dominanz) und will dagegen vorgehen, da die westliche Kultur andere Kulturen unterdrücke, insbesondere die islamische.

Terrorismus ≠  Terror

In der Öffentlichkeit werden Terrorismus und Terror als Synonym füreinander verwendet, doch politikwissenschaftlich und historisch ist dies nicht richtig. Unter Terrorismus werden Gewaltstrategien nicht-staatlicher Akteure zur Durchsetzung von politischen Zielen und Ideologien verstanden. Terror dagegen ist das Mittel von staatlichen Akteuren zu der Aufrechterhaltung eines Status quo, so wie es Gaddafi getan hat.
Auch bei der Verwendung von Mitteln unterscheiden sich Terrorismus und Terror, so setzten nicht-staatliche Akteure vor allem auf psychische Gewalt, die durch physische hervorgerufen wird, staatliche Akteure dagegen benutzen nur physische Gewalt.

Internationale Ausweitung und Bekämpfung

Großer Vorteil von global operierenden Terrororganisationen sind die dezentralen Strukturen, das heißt, dass die Führung nicht zentral an einem Ort sitzt, sondern über die ganze Welt verteilt sein kann und eine Aufspürung so umso schwerer wird. Dezentrale Strukturen haben auch den Vorteil, dass Terrorzellen in das Zielland gebracht werden können und mehrere Anschläge zeitgleich geplant werden können. Die Finanzierung erfolgt ebenfalls durch nicht-staatliche Akteure und oft durch Firmen, die durch Anschläge einen Vorteil gewinnen.
Klassische Bekämpfungsstrategien sind oft erfolgslos und da es sich um ein recht neues Symptom der Globalisierung handelt sind die Regierungen da noch recht hilf- und planlos.

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Tobin-Steuer – Mehr Geld und weniger Devisengeschäfte?

Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler James Tobin schlug 1972 vor, eine Steuer auf alle Devisentransaktionen von einem Prozent zu erheben. Er argumentierte dabei, dass „der deregulierte Kapitalfluss mit seinen abrupten Richtungsänderungen und chaotischen Kursausschlägen […] der materiellen Wirtschaft [schadet]“ (Dialog SoWi 2, Seite 209ff) und dass eine solche Steuer die Zahl der Devisentransaktionen senken würde und damit das Risiko einer möglichen Wirtschaftskrise. An dem Vorschlag einer solchen Steuer lässt sich leicht erkennen, dass Tobin kein Befürworter der Globalisierung war und den Devisentransaktionen kritisch gegenüber stand.

Gute Idee! Die Tobin-Steuer würde Geld in die Kassen der internationalen Staatengemeinschaft und der Staatshaushalte spülen

Die Befürworter der Tobin-Steuer sahen zwei große Vorteile in der Einführung einer solchen Steuer. Durch die Steuer eingenommene Gelder könnten beispielsweise für die Entwicklungshilfe verwendet werden und so Millionen von Menschen helfen. Außerdem würde die Zahl der Devisenmarkttransaktionen somit sinken und damit wäre das Risiko von Schwankungen in Konjunkturzyklen gering und damit würde es zu weniger Wirtschaftskrisen kommen.

Aber… Was ist mit den freien Kapitalmärkten?

Globalisierungsbefürworter und damit Tobin-Steuer-Gegner argumentieren, dass freie Kapitalmärkte Angebot und Nachfrage nach Kapital weltweit zu einem effizienten Ergebnis bringen und bei Einführung einer solchen Steuer könnte es zu Effizienzeinbußen kommen. Darüber hinaus wäre die Verwaltung und zielgerichtete Verwendung der Einnahmen einer solchen Steuer politisch gar nicht möglich und sie würde ebenfalls die Liquidität von Märkten stören und damit das Risiko einer Wirtschaftskrise erhöhen.

Forderungen im 21. Jahrhundert, einem Zeitalter der Wirtschaftskrisen

Der Ökonom Manfred Gärtner äußert in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT seine Gedanken zu der Einführung der Tobin-Steuer:

Gärtner: Die viel diskutierte Tobin-Steuer wäre sicherlich sinnvoll, also eine Steuer auf Finanztransaktionen, die Sand ins Getriebe der internationalen Finanzmarktindustrie streuen würde. Sie könnte kurzfristige Vermögensverschiebungen bremsen, die der Weltwirtschaft real nichts bringen, aber Hektik in die Märkte tragen und für die Realwirtschaft gefährliche Spekulationsblasen auslösen können.
ZEIT ONLINE: Gibt es eine solche Blase auch wieder im Fall Griechenlands?
Gärtner: Die Gesamtschulden Griechenlands könnte die EU theoretisch aus der Portokasse begleichen. Das Problem hat aber eine viel größere Dimension: Neben dem Kernmarkt der Staatsanleihen spekulieren Anleger heftig auf eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Und diese Kreditausfall-Produkte haben wieder ein Volumen angenommen, das ein Vielfaches der Schuldensumme ist. Das ist so, als hätte halb Deutschland, Millionen Leute, die Sie gar nicht kennen, eine Lebensversicherung auf Sie abgeschlossen. Man weiß gar nicht mehr, wer alles in welchem Ausmaß in die Griechenland-Krise involviert ist und wer von einem Bankrott betroffen wäre.

Damit greift er ein beliebtes Thema der Franzosen auf. Wie DIE ZEIT berichtete, sind 60 Staaten für die Einführung einer Steuer auf Devisentransaktionen. Die Franzosen behaupteten, dass die Einnahmen von 35 Milliarden direkt in die Entwicklungshilfe fließen könnten.

Also nur noch eine Frage der Zeit, bis es die Tobin-Steuer gibt?

Schwer zu sagen, denn offensichtlich verweigern sich zu viele Staaten, ansonsten wäre die Steuer sicherlich schon längst eingeführt worden. Vielleicht ist der politische Aufwand und später der Aufwand in der Verwaltung der Steuer und der mit ihr eingenommenen Gelder auch einfach zu hoch!

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Cäsar

Leben

Gaius Iulius Caesar, geboren am 13. Juli 100 v. Chr. in Rom, entstammte dem angesehenen altrömischen Patriziergeschlecht der Julier (lateinisch gens Iulia). Caesars Familie war nicht reich, gemessen am Standard des römischen Adels, und nur wenige Mitglieder der Familie hatten sich politisch hervorgetan.

Caesar heiratete 84 v. Chr. Cornelia, die Tochter des Konsuls Lucius Cornelius Cinna, der ebenfalls zu der politischen Gruppe der populares gehörte. Die Familienverbindung zu Cinna und seine Verwandtschaft mit Marius brachten Caesar in Opposition zur Diktatur Sullas, der die konservative Gruppe der optimates vertrat. Sulla befahl Caesar die Scheidung von Cornelia, doch dieser widersetzte sich und verließ Rom. Auf die Bitte einflussreicher Freunde hin wurde er zwar bald begnadigt, kehrte aber nicht nach Rom zurück.

Im Jahr 78 v. Chr. ging Caesar als Offizier in den Stab von Publius Servilius Vatia Isauricus, der als Prokonsul in Kilikien die Piraten bekämpfte. Sullas Tod ermöglichte ihm die Rückkehr nach Rom, wo er seine politische Karriere weiterverfolgte. Er begann, wie damals üblich, als öffentlicher Ankläger. Als Ankläger erregte Caesar durch einen Prozess wegen Erpressung gegen Gnaeus Cornelius Dolabella, einen Anhänger Sullas, große Aufmerksamkeit und bewies damit erneut seine Opposition zum Lager der Sullaner. Trotz seiner Niederlage in diesem Fall war Caesars Ruf nicht geschädigt.

Im Jahre 69 oder 68 v. Chr. bekleidete er die Quästur, die unterste Stufe der politisch bedeutenden Ämter der Römischen Republik. Nach Bekleidung dieses Amtes wurde er in den Senat aufgenommen. Doch bevor er nach Spanien abreisen konnte, gab es zwei Todesfälle in seiner Familie. Seine Tante Iulia und seine Frau Cornelia verstarben in einem kurzen Zeitraum nacheinander.

Nach seiner Rückkehr aus Spanien heiratete Caesar Pompeia, eine sehr wohlhabende Enkelin Sullas, deren Reichtum er umgehend für seinen politischen Aufstieg nutzte: 65 v. Chr. war er kurulischer Ädil und errang durch prachtvolle Spiele, durch die er sich hoch verschuldete, große Beliebtheit. 63 v. Chr. wurde Caesar in das bedeutende Amt des Pontifex Maximus, des Oberpriesters, gewählt. Er wurde dabei wie schon bei seinen Spielen als Ädil von Marcus Licinius Crassus, der zu der Zeit als reichster Mann Roms galt, finanziell unterstützt, obwohl nicht klar ist, wie gut das Verhältnis Caesars zu Crassus zu diesem Zeitpunkt war.

Immer wieder gab es Gerüchte, Caesar wäre in die Catilinarische Verschwörung des Jahres 63 v. Chr. verwickelt gewesen. Obwohl er früher Kontakt zu Catilina gehabt hatte, konnte ihm keine Beteiligung an dessen Verschwörung nachgewiesen werden. Im Jahr 62 v. Chr. wurde Caesar zum Prätor gewählt.

Das erste wichtige Amt Caesars außerhalb Roms war die Statthalterschaft (Proprätur) in Spanien. Seine aggressive Kriegsführung gegen die Iberer im Norden des heutigen Portugals festigte seinen Ruf als fähiger Stratege und diente ihm zur Sanierung seiner hoch verschuldeten Finanzen. Damit besaß er die notwendige Voraussetzung für die Bewerbung um das höchste Staatsamt, das Konsulat.

Triumvir und Konsul

Viele Senatoren widersetzten sich jedoch Caesars Ambitionen, Konsul zu werden. Das Triumvirat konnte die Wahl Caesars zum Konsul des Jahres 59 v. Chr. durchsetzen. Seine Amtsführung war im Senat umstritten. Caesar brachte in seinem Jahr als Konsul einige Gesetze mit entscheidenden Neuregelungen durch.

Prokonsul in Gallien

Das Prokonsulat in Gallien bedeutete einen wichtigen Machtgewinn für Caesar. Als Prokonsul konnte er Heere aufstellen. Um seine Macht und seinen Reichtum weiter auszubauen, brauchte er einen Krieg außerhalb der Grenzen des Imperiums, den er bei den zerstrittenen Stämmen Galliens fand, unter denen es seit einigen Jahren größere Unruhen gab. Als die Helvetier, ein Stamm aus der heutigen Schweiz, die Nordgrenze des Römischen Reichs gefährdeten, sah Caesar einen Anlass, militärisch einzuschreiten und schlug die Helvetier bei Bibracte zurück.

Danach zog er gegen die Germanen, die schon seit einiger Zeit unter Ariovist in Gallien eingefallen waren, und schlug sie über den Rhein zurück. Im zweiten Jahr konnte Caesar die Belger, die als das tapferste Volk unter den Stämmen Galliens galten, im Norden Galliens erst nach heftigen Kämpfen unterwerfen.

Im Jahr 56 v. Chr. besiegte sein Offizier Decimus Iunius Brutus Albinus die aufständischen Veneter in der Bretagne, womit Caesar den größten Teil Galliens unter seine Kontrolle bringen konnte.

Noch im Jahr 53 v. Chr. wurde es in Gallien unruhig. Stämme wie die Treverer und Nervier erhoben sich gegen Caesar. Im Jahr 52 v. Chr. erhob sich Vercingetorix, der Fürst der Arverner, gegen die römische Fremdherrschaft. In ihm erwuchs Caesar ein gefährlicher und ihm militärisch ebenbürtiger Gegner. Vercingetorix schnitt die Nachschubwege Caesars ab und konnte ihn erstmals bei Gergovia schlagen. Nach seinem Sieg gab Vercingetorix seine erfolgreiche Defensivtaktik auf und griff die Truppen Caesars an, doch musste er eine Niederlage gegen Caesars hinnehmen, worauf er sich nach Alesia zurückzog.

Caesar begann sofort, die Stadt mit einem etwa 35 km langen Wall zu belagern, doch war ein gallisches Entsatzheer auf dem Weg, um Vercingetorix zu befreien. In der darauffolgenden Schlacht, in der Caesar den Ausbruchsversuch des Vercingetorix abzuwehren und gleichzeitige Entlastungsangriffe zurückzuschlagen hatte, blieb Caesar gegen die weit überlegenen gallischen Heerscharen siegreich. Der gallische Widerstand war endgültig gebrochen, und Caesar konnte mit diesem Sieg über die gallische Koalition die Herrschaft Roms über Gallien für Jahrhunderte sichern. Vercingetorix, der sich nach der verlorenen Schlacht Caesar vor den Mauern von Alesia ergeben hatte, wurde die erbetene Gnade nicht gewährt: Er wurde sechs Jahre später, nach Caesars Triumphzug 46 v. Chr., in Rom hingerichtet.

Plutarch gibt an, dass im Gallischen Krieg Caesars eine Million Gallier ihr Leben verloren und eine weitere Million Menschen versklavt wurden. Caesar berichtete in den Commentarii de bello Gallico selbst über seine Zeit in Gallien. Die Schrift schildert viele interessante Details aus dem besetzten Land, diente aber vor allem der Rechtfertigung seiner Feldzüge.

Bürgerkrieg

Im Jahr 53 v. Chr. war Crassus auf einem Feldzug gegen die Parther ums Leben gekommen; mit ihm war auch der Großteil seines Heeres von über 40.000 Mann untergegangen. Der Senat wollte von Anfang an ein zweites Konsulat Caesars verhindern. Auch forderte der Senat anfangs von Caesar, dass dieser seine insgesamt zehn Legionen auflösen solle. Caesar weigerte sich, dies zu tun. Am Ende der Verhandlungen und seines Prokonsulats hatte Caesar keine politische Basis in Rom mehr.

Trotz des Verbots, gegen den Willen des Senats Militär nach Italien zu bringen, überquerte er am 10. Januar 49 v. Chr. den Grenzfluss Rubikon. Bei dieser Gelegenheit soll Caesar den berühmten Ausspruch alea iacta est („der Würfel ist gefallen“) von sich gegeben haben.

Im Jahre 48 v. Chr. wurde Caesar erneut zum Konsul gewählt. Er überquerte mit etwa 15.000 Mann die Adria und zog gegen Pompeius, musste aber eine Niederlage bei Dyrrhachium hinnehmen, woraufhin er sich nach Thessalien zurückzog. Auf dem Weg dorthin plünderte er einige Städte und verband sich mit dem Rest seines Heers, das mit Marcus Antonius über die Adria gekommen war. Pompeius wurde anschließend, trotz seiner doppelt so starken Armee, am 9. August desselben Jahres in der Schlacht bei Pharsalos entscheidend geschlagen. Pompeius selbst entkam nur mit knapper Not. Nach diesem entscheidenden Sieg kontrollierte Caesar den größten Teil des östlichen Mittelmeers und war Alleinherrscher im Römischen Reich. Pompeius floh nach seiner Niederlage nach Ägypten, wo er auf Befehl des Königs Ptolemaios XIII. ermordet wurde.

Caesar folgte Pompeius nach Alexandria, wo man ihm den Kopf seines Rivalen und ehemaligen Verbündeten überreichte. In Alexandria wurde er in die dortigen politischen Streitigkeiten hineingezogen. So machte er die Bekanntschaft der jungen Königin Kleopatra.

Dies war der Beginn einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung, die in der Folgezeit noch für viel Unruhe sorgte. Mit Kleopatra hatte Caesar ein Kind mit dem Namen Ptolemaios Kaisarion. Caesar setzte sich für Kleopatra ein. Anschließend wandte sich Caesar gegen Pharnakes II. von Pontus, der die römischen Provinzen in Kleinasien plünderte. Nach einem nur fünftägigen Feldzug wurde Pharnakes geschlagen und aus Kleinasien vertrieben. Caesars berühmter Ausspruch: „Ich kam, ich sah, ich siegte“ („veni vidi vici“) war auf den kurzen Feldzug gegen Pharnakes gemünzt.

Nach dem Sieg über Pharnakes II. zog Caesar in zwei Feldzügen gegen die restlichen Pompeianer: Im Afrikanischen Krieg schlug Caesar am 6. April 46 v. Chr. in der Schlacht bei Thapsus in der Provinz Africa unter Metellus Scipio und Cato dem Jüngeren. Cato beging nach der militärischen Katastrophe in seiner Festung Utica Selbstmord, und Caesar löste das Königreich Numidien auf. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rom zog er nach Hispanien und schlug dort 45 v. Chr. die Söhne des Pompeius in der Schlacht bei Munda. Somit waren die letzten Pompeianer bzw. Republikaner ausgeschaltet und die Republik faktisch am Ende.

Diktatur

Bereits vor dem endgültigen Erlangen der Alleinherrschaft in Rom entfaltete Caesar eine umfangreiche Gesetzestätigkeit (Leges Iuliae), um das römische Staatswesen grundlegend zu reformieren.

Schon nach seiner Rückkehr aus Ägypten im Jahre 46 v. Chr. hatte Caesar sich zum Diktator auf zehn Jahre ernennen lassen. Nach seinem letzten militärischen Erfolg in Spanien wurde er vom Senat zum dictator perpetuus (Diktator auf Lebenszeit) ernannt. Die Frage, ob Caesar wirklich den Titel eines Königs anstrebte oder sich mit der Diktatur begnügen wollte, beschäftigt die Historiker bis heute.

Tod

Caesar wurde an den Iden des März (15. März) 44 v. Chr. von einer Gruppe Senatoren um Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus während einer Senatssitzung im Theater des Pompeius mit 23 Messerstichen ermordet. Zur Verschwörung gehörten insgesamt etwa 50 bis 60 Personen.

Dabei ging es Caesar am Morgen des Tages schlecht, und er wollte nicht an der Senatssitzung teilnehmen. Zudem hatte seine Frau Calpurnia Vorahnungen einer Katastrophe. Decimus Brutus wurde deshalb entsandt, um Caesar zu überreden, doch noch an der Senatssitzung teilzunehmen, und konnte den Diktator umstimmen. Bei seiner Ermordung soll Caesar auf Griechisch seine berühmten letzten Worte an Marcus Brutus gerichtet haben: „Auch Du, mein Sohn“, lat.: Et tu, Brute?). Der Mord an Caesar bezeichnet man auch als Tyrannenmord.

Bestattung

Caesars Bestattung verlief am 20. März 44 v. Chr. unter tumultartigen Umständen. Marcus Antonius, der Konsul des Jahres 44 v. Chr., leitete die Bestattungszeremonie. Auf dem Forum Romanum wurde die blutgetränkte Kleidung des Diktators gezeigt; die Errichtung des Scheiterhaufens auf dem Marsfeld habe mehrere Tage in Anspruch genommen. Antonius ließ Caesars Testament, wonach jeder Bürger 300 Sesterzen erhalten sollte, und zusätzlich einen Senatsbeschluss verlesen, der Caesar, wie Sueton schreibt, „alle göttlichen und menschlichen Ehren“ zuerkannte.

Dem Tod Caesars folgten weitere  Bürgerkriege, die bis zum Jahr 31 v. Chr. dauern sollten.

Cäsar als Schriftsteller

Caesar verfasste über seinen Feldzug in Gallien in sieben Büchern die Commentarii De bello Gallico („Kommentare über den Gallischen Krieg“), denen die jährlich abgefassten Dienstberichte an den Senat zugrunde lagen. Die Commentarii sind bis heute wegen ihrer einfachen und klaren Sprache (der Wortschatz beschränkt sich auf etwa 1300 Wörter) ein Standardwerk für die Anfangslektüre im schulischen Lateinunterricht. Caesar beschreibt in dem Werk anschaulich die Schlachten und Intrigen während der neun Jahre, in denen er die Heere der gallischen Stämme vernichtete, die Widerstand leisteten. Von Interesse sind zudem die zahlreichen Bemerkungen zu den Lebensverhältnissen der Gallier, Germanen und Britannier.

In dem Werk Commentarii De bello Gallico beschreibt Caesar das Gallien seiner Zeit. Der berühmte erste Satz lautet:

Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.

„Gallien ist im ganzen unterteilt in drei Teile, von denen der eine von den Belgern bewohnt wird, der zweite von den Aquitanern, und der dritte von denen, die in ihrer eigenen Sprache ‚Kelten‘, in unserer ‚Gallier‘ genannt werden.“

Außerdem verfasste Caesar noch ein Werk über die erste Phase des Bürgerkrieges, die Commentarii De Bello Civili.

Porträt

Das einzige inschriftlich gesicherte Porträt Caesars, das zu Lebzeiten entstand, ist auf Münzen überliefert, die in seinem letzten Lebensjahr geprägt wurden. Sie zeigen eine magere Person mit hoher Stirn und langem, faltigen Hals.

Sueton beschrieb Caesar als hochgewachsen, seine Hautfarbe war weiß, er hatte kräftige Glieder, ein etwas zu volles Gesicht und schwarze, lebhafte Augen. Er bekam früh eine Glatze, Körperhaare ließ er ausrupfen. Außerdem litt Caesar an Epilepsie.

Kalenderform

Im Jahre 46 v. Chr. führte Caesar anstelle des alten römischen Mondkalenders den aus Ägypten stammenden Sonnenkalender ein. Nach Caesars Tod wurde sein Geburtsmonat, der mensis Quintilis, ursprünglich fünfter Monat des römischen Jahres, in mensis Iulius, dt. „Juli“, umbenannt. Der nach ihm benannte Julianische Kalender galt in den katholischen Ländern bis ins 16. Jahrhundert, als er durch den genaueren Gregorianischen Kalender abgelöst wurde.

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