Die „Neue Frau“

„Wo wir aber auftauchen, kurzröckig, kurzhaarig und schlankbeinig, fuhren die Männer der älteren Generation zusammen und fragten: ‚Was sind das für Geschöpfe?‘ Wir antworteten: ‚Die neue Frau.‘“ (Aus: Gabriele Tergit: Die Frauen Tribüne, 1933)

In der Zeit der Neuen Sachlichkeit veränderte sich nicht nur die Literatur, die Kunst, die Musik und das Theater, sondern auf die Frau und mit ihr das Frauenbild. Besonders in den letzten Jahren der Neuen Sachlichkeit lässt sich eine Wandlung der Frau feststellen – es entstand die „Neue Frau“.

Die „Neue Frau“ – Revolution des Äußerlichen

 

Heinrich Mann, Bruder von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, schrieb in Sieben Jahre. Chronik der Gedanken und Vorgänge von der Veränderung der Frau und spricht von den „kurzen Röcken“, die hübsch und praktisch seien, und von den „kurzen Haaren“, die sich besser zum Tanzen und Sport treiben passten, wie auch zum Arbeiten in der Fabrik. Generell sprach er davon, dass die Figur der Dame knabenhaft geworden sei, wie das linke Bild oben zeigt. Sowohl der Anzug, wie auch die Haare zeigen eine Veränderung des Äußeren der Frau und auch die Zigarette zeigt, dass sich Frauen immer mehr in Richtung Mann entwickelten.

„I want to be happy“[1]

Ja, das wollten die Frauen, sie wollten happy sein und nicht mehr von den Männern abhängig. Und genau darin lag die hauptsächliche Veränderung der Frau und des Frauenbilds: sie wurden selbstbewusster. Frauen waren stolz darauf, so zu sein, wie sie waren und machten da keinen Hehl raus: „Hat man’s nicht zu was gebracht? Man wird es noch weiter bringen.“[2] Sie waren stolz, sich so entwickelt zu haben und wollten sich noch weiter entwickeln.

Frauen bekam immer mehr Rechte zuerkannt, wie beispielsweise das Recht auf Scheidung, durften auch Hochschulen besuchen und nutzen dieses Recht auf Bildung auch aus und schließlich gingen sie auch arbeiten, um ihre Träume zu verwirklichen und nicht mehr von den Männern abhängig zu sein. Sie gaben meist und immer öfter ihre Rolle als Mutter und Hausfrau auf. Sie nahmen ihr Schicksal selbst in die Hand.

Die Reaktionen auf die Wandlung der Frau

Natürlich reagierte man auf die Veränderungen der Frauen. Wie das Zitat ganz oben schon zeigt, waren einige Männer, besonders die der älteren Generationen, überfordert, denn für sie war so etwas völlig fremd: Frauen, die männliche Züge hatten. Und auch die Großmütter reagierten warnend und hoben den Finger.[3]

Sport, Theater und Literatur unterstützten hingegen die Frauen in ihren Forderungen, standen dem Wechsel des Frauenbildes sehr positiv gegenüber und schlugen daraus natürlich Profit; gerade Theater und Literatur nahmen die „Neuen Frauen“ in ihr Programm auf und setzten es um, was sich besonders in Irmgard Keuns Werken Gilgi – eine von uns und Das kunstseidene Mädchen erkennen lässt.


[1] Aus: Irmgard Keun: Gilgi – eine von uns. Roman. München: dtv 1989 (Neuveröffentlichung; Erstveröffentlichung 1931)

[2] Aus: Irmgard Keun: Gilgi – eine von uns. Roman. München: dtv 1989 (Neuveröffentlichung; Erstveröffentlichung 1931)

[3] Aus: Irmgard Keun: Gilgi – eine von uns. Roman. München: dtv 1989 (Neuveröffentlichung; Erstveröffentlichung 1931)

Über Philipp Schneider

Noch Schüler, ab dem nächsten Jahr hoffentlich Student der Philosophie || Veröffentlichungen hier vor allem in dern Rubriken Philosophie und Deutsch, aber auch Biologie und Sozialwissenschaften
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