Domitian

Domitian heißt mit vollem Namen Titus Flavius Domitianus und wurde am 24. Oktober 51 n. Chr. in Rom geboren. Er gehörte dem Herrschergeschlecht der Flavier an. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt; Sueton schreibt, dass er sie unter erbärmlichsten Umstanden verbracht haben soll. Als sein Vater Vespasian im Vierkaiserjahr 69 n. Chr. zum Kaiser ausgerufen wurde, konnte Domitian , im Gegensatz zu seinem Onkel Titus Flavius Sabinus der Verfolgung durch die Anhänger des Vitellius entkommen und hatte nach dem Sieg der Flavier eine gesicherte politische Rolle in Rom.

Als sein Vater Titus Flavius Vespasianus eines natürlichen Todes starb, wurde dessen erster Sohn Titus römischer Kaiser.

Laut einigen antiken Quellen wird es für möglich gehalten, dass Domitian den Tod seines Bruders Titus am 13. September 81 n. Chr. herbeigeführt hatte, doch erlauben die recht widersprüchlichen Überlieferungen  keine eindeutige Beurteilung. Domitian trat die Nachfolge als Kaiser an und erwies sich zumindest am Anfang seiner Regierungszeit als fähiger Regierungschef. Er bekämpfte energisch die Korruption und brachte die Staatsfinanzen wieder in Ordnung.

Unter den zahlreichen von Domitian verwirklichten Bauvorhaben sind besonders das monumentale Stadion auf dem Marsfeld, der Titusbogen, das Forum Transitorium und sein überlebensgroßes Reiterstandbild (Equus Domitiani) auf dem Forum Romanum anzuführen.

Den Senat brachte er offenbar recht schnell gegen sich auf, weil er ihn kaum noch zu Rate zog und sich als dominus et deus (auf Deutsch „Herr und Gott“) anreden ließ. Auch Domitian richtete ein concilium principis ein, eine Art Kronrat. Ähnlich wie vor ihm Caligula und nach ihm Commodus brach Domitian die Spielregeln des Prinzipats, denen zufolge der Kaiser zwar faktisch alle Macht in Händen hielt, nach außen aber die Rolle von Volk und Senat in Ehren zu halten hatte. 85 n. Chr. übernahm er schließlich noch das Amt des Zensors auf Lebenszeit und damit das Recht, Senatoren zu ernennen und zu entlassen. Als letzter Kaiser führte Domitian den Titel eines censor perpetuus.

Allerdings nahm Domitian für sich nicht in Anspruch, selbst ein Gott zu sein, und er forderte für sich selbst auch keine göttliche Verehrung, vielmehr sah er sich unter göttlichem Schutz stehend.

Aktivitäten in Germanien

Unter Domitian begann die Phase einer erneuten (begrenzten) römischen Expansion rechts des Rheins im Bereich der obergermanischen Stämme. Unter dem Vorwand, einen Zensus in Gallien abhalten zu wollen, zog Domitian, dem es an militärischem Ruhm noch  mangelte, im Jahre 83 n. Chr. an den Rhein und begann gleich im Frühjahr einen Krieg gegen die Chatten. Es ging vermutlich um eine Schwächung der Chatten als letzten größeren Unruhestifter in Rheinnähe. Möglicherweise stieß Domitian bis ins Kernland dieses Stammes vor, also weit ins heutige Hessen hinein. Im Herbst wurde der Kriegszug in Germanien gegen die Chatten zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Dabei gelang die Unterwerfung des Gebiets zwischen Taunus, Lahn und Main.

Domitian begann schließlich mit der Errichtung des Limes, des römischen Grenzwalles zwischen Rhein und Donau. Außerdem nahm Domitian den Siegerbeinamen Germanicus an. Dies war das erste Mal, dass ein Prinzeps diesen nicht vererbt bekommen hatte, sondern durch eigene militärische Leistungen für sich beanspruchten konnte. Am Ende des Jahrs 83 n. Chr. feierte er den Triumph in Rom und bekam weitere Ehrungen durch den Senat verliehen. Hierzu zählen vor allem, vor dem Senat im Triumphgewand erscheinen zu dürfen und von 24 Liktoren begleitet zu werden.

Nach einem erneuten Chattenkrieg im Jahre 85 n. Chr. gelang es Domitian durch die Taunuskastelle die Bereiche des ober- und niedergermanischen Stammes mit großem Aufwand in zwei regelrechte Provinzen umzuwandeln und damit den endgültigen Verzicht auf eine wirkliche Eroberung ganz Germaniens zu verschleiern. Dieser Chattenkrieg stellt für längere Zeit die letzte große militärische Machtdemonstration im rechtsrheinischen Germanien dar. Die Grenze zum freien Germanien blieb fast hundert Jahre lang weitgehend friedlich. Wenig spricht dafür, dass Domitian seine Ziele in diesem Raum nicht erreicht hat.

Domitian erklärte das Germanenproblem durch die offizielle Gründung der beiden Provinzen Germania Superior („Obergermanien“) und Germania Inferior („Niedergermanien“) für beendet.

Seine Taktik war, nur dann Kriege zu führen, wenn sie unabwendbar waren, ansonsten aber die Grenzsicherung zu verstärken. Domitian wollte damit offenbar auch mit den militärischen Erfolgen seines Vaters und seines Bruders gleichziehen.

Sonstige militärische Leistungen

In Britannien gelang es Domitian mit Hilfe des Statthalters Gnaeus Iulius Agricola, den römischen Machtbereich bis nach Schottland auszudehnen und somit erheblich auszuweiten. Bevor Agricola die Insel jedoch ganz erobern konnte, wurde er von Domitian nach Rom zurückberufen.

Tod

In den letzten drei Jahren seiner Regierungszeit wurde Domitian zunehmend misstrauisch und fürchtete ständig Verschwörungen gegen sich. Auslöser dafür dürften tatsächliche Umsturzpläne gewesen sein; der erste wurde bereits 87 n. Chr. aufgedeckt.

In jedem Fall scheint die Furcht des Kaisers vor Verschwörungen die Zahl seiner Feinde nur noch weiter erhöht zu haben. Auch vor seiner eigenen Familie hatte Domitian – vielleicht mit gutem Grund – Angst.

Den Mann seiner Nichte Julia ließ er ebenso hinrichten wie seinen Vetter Clemens. Er soll sogar die Ermordung seiner Frau Domitia Longina geplant haben; sie verbündete sich aber mit mehreren Vertrauten Domitians, die ebenfalls um ihr eigenes Leben fürchteten.

Domitian fiel schließlich am 18. September 96 n. Chr. in Rom einem Anschlag, ausgeführt von Höflingen und Gladiatoren, zum Opfer. Sein Nachfolger wurde der Senator Nerva, dessen Position aber gefährdet war, da Armee und Volk Domitian sehr mochte und ein Nachfolger erst einmal dieses Vertrauen gewinnen musste. Seine vollständige Anrede zum Zeitpunkt seines Todes lautete:

Imperator Caesar Domitianus Augustus Germanicus, Pontifex maximus, Tribuniciae potestatis XVI, Imperator XXIII, Consul XVII, Pater patriae.

Die Dynastie der Flavier endete mit ihm.

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Eine Antwort auf Domitian

  1. S. Rupp sagt:

    Hallo,

    prinzipiell sehr tauglicher Artikel. Nur: Ein Artikel über Domitian ohne jegliche Erwähnung der unter ihm organisierten Christenverfolgung geht irgendwie gar nicht…

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