Mithras-Kult

Die Ursprünge des Kultes für den Gott Mitra liegen im iranisch-persischen Kulturraum. Die Verehrung des Gottes Mitra gibt es wahrscheinlich schon seit Urzeiten, Nachweise existieren erst um ca. 1380 v.Chr.

Das Wort „mitra“ (altiranisch/altindisch) bedeutet Vertrag, Bund, Treue. Daraus schließt man, dass Mitra ein Gott des Vertrags, der Ehre und der Tugend war. Diese Bedeutung stammt aus der frühesten Zeit der Verehrung des Mitra.

Im Laufe der Zeit wurde Mitra zu einer allwissenden, alles sehenden Gottheit ausgestaltet und als solcher mit dem himmlischen Licht gleichgesetzt; Mitra wird daraufhin zu einer Lichtgottheit.

Mitra hatte in der Frühzeit noch eine relativ untergeordnete Stellung innerhalb des Pantheons. Als sich aber um 1000 v.Chr. die Trennung von indischem und iranischem Kulturraum vollzog, gewann Mithra an Bedeutung.

Nun begann ein weiterer Merkmal des Mithra sich auszuprägen: Man legte mehr Wert auf das Element des Kämpfens gegen das Böse und so nahmen ihn die Soldaten für sich in Anspruch, ebenso taten es auch die Herrscher. Mithra, der vor Schlachten angerufen wurde, wurde zu deren Beschützer im Kampf.

Verbreitung des Mithras-Kultes

Kleinasien wird zum Ausgangspunkt der weiteren Verbreitung der Mithra-Religion und zum neuen Zentrum der Verehrung für Mithra. Ab dem 4. Jh. v.Chr. lassen sich erste Ansätze einer Hellenisierung der Mithras-Religion in Kleinasien feststellen.

In dieser Zeit müssen sich in Kleinasien die Mysterien herausgebildet haben, in deren Mittelpunkt Mithras als kosmische Schöpfer- und Heilsgottheit steht. Neben diesen Eigenschaften bleibt er jedoch weiterhin der Wahrer der Verträge und der Schutzgott der Soldaten. Eine solche Anpassung an westliche Vorstellungen war die Grundsteinlegung für die Übernahme der mithrischen Religion durch die griechisch-römische Welt.

Nach Plutarch sind die Mithras-Mysterien im 1. Jh. v.Chr. durch Seeräuber nach Rom gebracht worden. In neuerer Zeit nimmt man an, dass sie erst im 1. Jh. n.Chr. durch Sklaven, Händler und v.a. Soldaten Eingang in das Römische Reich, d.h. zunächst in das italische Kerngebiet, gefunden haben.

Die Soldaten spielen bei der Verbreitung der Mithras-Mysterien eine wichtige Rolle. Sie verehren, wie schon in der Frühzeit des Kultus, Mithras als unbesiegbare Gottheit, die Tapferkeit und Edelmut verkörpert.

Die Tatsache, dass Soldaten in allen Teilen des Römischen Reiches stationiert waren und die einzelnen Legionen oder Teile der Legionen häufig den Standort wechselten, machte eine schnelle Ausbreitung in allen Teilen des Römischen Reiches möglich. Mithräen, die unterirdischen Heiligtümer des Mithras-Kultes, hat man besonders in Germanien, entlang der Donau und Gallien gefunden, also vorwiegend in den Grenzregionen des Imperium Romanum.

Ebenso wie die Soldaten, so waren auch Sklaven und Händler in allen Teilen des Reiches zu finden, wobei gerade in der Zeit vom 1. Jh. v.Chr. bis zum 1. Jh. n.Chr. zahlreiche Sklaven aus den gerade unterworfenen vorderasiatischen Gebieten, also aus denjenigen, die das Kerngebiet der Mithras-Verehrung darstellen, nach Westen transportiert wurden.

Bis zum Ende des 2. Jh.s n.Chr. gab es keine offizielle Bekanntmachung des Staates zum Mithras-Kult. Erst Kaiser Commodus unterstützte den Mithras-Kult. Er war der erste römische Kaiser, der sich in die Mysterien des Mithras einweihen ließ. Offenbar verstand er sich als Inkarnation des Mithras.

Die Tatsache, dass Mithras nun Zugang zu den höchsten Kreisen des Staates gewonnen hatte, verhalf dem Mithras-Kult zu noch mehr Einfluss. Die folgenden Kaiser arrangierten sich mehr und mehr mit dem Mithras-Kult und nutzten ihn für ihre Zwecke. Die Blütezeit des Mithras-Kultes liegt im 2. und 3. Jh. n.Chr.

Niedergang des Mithras-Kultes

In der Folgezeit wurde mit dem Verlust einiger Provinzen auch der Glaube an die Unbesiegbarkeit des Mithras gemindert. Ein besonders gravierender Rückschlag aber war der Sieg Constantins über das Heer des Licinius, das unter dem mithrischen Sonnenkreuz kämpfte. Währenddessen konnte sich das Christentum fast ungehindert weiter ausbreiten.

Mit der Herrschaft des Kaisers Theodosius war der Mithras-Kult endgültig dem Untergang geweiht. Das Christentum wurde zur Staatsreligion erhoben und alle anderen Kulte verboten. Durch dieses Verbot und die Tatsache, dass sich die Mithras-Gemeinden nun gewaltsamen, zum Teil grausamen Verfolgungen durch die Christen ausgesetzt sahen, konnten die Zeremonien des Mithras-Kultes von nun an nur noch versteckt und im Geheimen praktiziert werden. Auf diese Weise hielten sich vereinzelt noch Kultgemeinden in allen Teilen des Reiches bis ins 6. Jh. n.Chr. hinein.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass sich der Mithras-Kult nicht durchgesetzt hat, ist die Tatsache, dass er nicht überregional organisiert war; es gab unter den einzelnen Kultgemeinden kaum Austausch und keine übergeordnete Instanz, so dass die Mithras-Gemeinden doch isolierte Phänomene darstellten.

Ein erheblicher Nachteil im Vergleich zum Christentum war ebenfalls, dass der Mithras-Kult nur Männern zugänglich war, Frauen jedoch versperrt blieb.

Mithras-Mysterien – Inhalt des Kultes

Über die genauen Zeremonien der Kultfeiern und die eigentlichen Inhalte des Mithras-Kultes ist nur wenig bekannt, da die Glaubensinhalte geheim waren und aus diesem Grunde vielleicht niemals schriftlich festgehalten worden sind.

Die einzigen gesicherten Zeugnisse für den Mithras-Kult sind wüste Beschimpfungen, aus denen man nur ein sehr bruchstückhaftes und negativ gefärbtes Bild erhalten kann. Aber besonders die sogenannten Mithräen, unterirdische höhlenartige Tempel, in denen die Anhänger des Mithras-Kultes sich trafen und ihre Kultzeremonien feierten. Viele dieser Mithräen sind gerade deswegen, weil sie unterirdisch angelegt worden sind, gut erhalten.

Ein Mithräum ist ein länglicher Raum mit gewölbter Decke. Vermutlich handelt es sich bei dieser Wölbung um ein Symbol des Himmels. An zentraler Stelle im Mithräum war ein Kultbild aufgestellt, das hauptsächlich zeigt, wie Mithras einen Stier tötet.

Ausgestaltung der Mithras-Mysterien

Welchen Inhalt auch immer der Mithras-Kultes gehabt haben mag, wissen wir doch um die Ausgestaltung des Kultgeschehens umso mehr.

Um an dem Wohl teilhaben zu können, muss man in den engeren Kreis des Mithras-Kultes aufgenommen werden. Die Aufnahmezeremonie wird Initiation genannt. Bevor sie jedoch stattfindet, muss der Initiand einen längeren Unterricht in der mithrischen Lehre absolvieren.

Erst danach kann die Initiation vollzogen werden. Dies geschah einerseits durch eine Taufe, die nach einiger Zeit durch eine Art „Konfirmation“ bekräftigt werden muss und andererseits durch körperliche Proben, die sehr hart gewesen sind, über die aber nichts Genaues bekannt ist.

Nach dieser Initiation konnte man sieben Weihestufen durchlaufen, wobei jeder Stufe eine Figur auf dem Kultbild entspricht:

  1. Die unterste Stufe hieß Corax (auf dt. Rabe) und symbolisierte den Raben auf dem Umhang des Mithras.
  2. Die nächste Stufe hieß Nymphus (auf dt. Verlobter) und wurde mit der Schlange assoziiert.
  3. Danach kam der Miles (auf dt. Soldat), der den Skorpion verkörperte.
  4. Die nächsthöhere Weihestufe war Leo (auf dt. Löwe), der sich auf dem Kultbild als Hund wiederfand.
  5. Die fünfte Weihestufe war Perses (auf dt. Perser), der dem Cautopates auf dem Kultbild entspricht.
  6. Die zweithöchste Stufe war der Heliodromus (auf dt. Sonnenläufer), dargestellt durch Cautes.
  7. Und die höchste Weihestufe schließlich war der Pater (auf dt. Vater), der den Mithras verkörperte.

Der Großteil der Gläubigen jedoch nahm die unteren Stufen ein. Der Pater als oberster Priester einer jeweiligen Gemeinschaft und gleichzeitig Stellvertreter des Mithras hatte die Leitung einer jeweiligen Mithras-Gemeinde inne. Die verschiedenen Weihestufen entsprechen dem Aufstieg der Seele zum Göttlichen.

Innerhalb des Kultes wurde von den Anhängern eine streng ethische Lebensführung erwartet, die den Einzelnen dazu bewegen sollten, in der Nachfolge des Mithras das Gute zu tun. Durch die gemeinsame Aufgabe des guten Handelns und der Hingabe innerhalb des Kultes entstand unter den Anhängern des Mithras-Kultes ein enges Gemeinschaftsgefühl, das durch die Enge des Kultraumes noch unterstützt wurde.

Dadurch konnte sich der Gläubige sich Hoffnungen auf ein Weiterleben nach dem Tod im Himmel machen.

 

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Latein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.