Ursachen der Evolution bei Lamarck

Jean-Baptiste Lamarck war französischer Botaniker, Zoologe, Begründer der modernen Wirbellosenzoologie und legte als erster Biologe eine ausformulierte Evolutionstheorie vor, die jedoch, wie wir heute wissen, nur teils zutrifft. Lamarcks Evolutionstheorie lässt sich in einen Haupt- und einen Nebengedanken gliedern; der Hauptgedanke ist nicht zutreffend, wohingegen der Nebengedanke seit dem späten 19. Jahrhundert als Lamarckismus in der Biologie anerkannt wird.

Der Hauptgedanke: Wachsen oder nicht wachsen, das ist hier die Frage

Lamarcks Hauptgedanke ist ziemlich einfach zu verstehen, hat jedoch etwas sehr Metaphysisches an sich. Der Franzose behauptete, dass ein inneres Gefühl die Fluida bei der Nutzung eines beliebigen Körperteiles in das jeweilige Körperteil lenken würde und es damit zur Weiterentwicklung dieses Körperteils kommen würde. Als Beispiel nimmt er kämpfende Wiederkäuer: „Bei ihren Wutausbrüchen […] lenkt ihr inneres Gefühl durch seine Anstrengungen die Fluida stärker auf diesen Teil des Kopfes hin [Anm. d. Autors: die Tiere stoßen bei den Wutausbrüchen mit den Köpfen gegeneinander], und es erfolgt hier bei den einen eine Absonderung von Hornsubstanz, bei den anderen eine Abscheidung von Knochensubstanz vermischt mit Hornsubstanz, wodurch feste Fortsätze [= Hörner] gebildet werden […].“[1]

Vereinfacht ausgedrückt heißt es also, dass durch das Zusammenstoßen der Köpfe der Geist eines Tieres Hörer ausbilden will und dadurch Hörner gebildet werden. Nicht nur, dass die Idee eines inneren Gefühls und einer Fluida wissenschaftlich betrachtet humbug ist, nein, auch hat die Theorie einen Fehler.

Geht man davon aus, dass Lamarck richtig lag, wäre der Gegenschluss, dass wenig gebrauchte Körperteile sich zurückbilden. Das würde bedeuten, dass Giraffen im Zoo, deren Nahrung meistens auf dem Boden liegt, mit der Zeit ihren langen Hals zurückbilden würden, weil sie diesen einfach nicht mehr gebrauchen. Lamarcks Hauptgedanke ist also falsch und diese Tatsache lässt sich durch einen Zoobesuch beweisen.

Der Nebengedanke: Vielleicht brauchen die nach mir es auch einmal

In seiner Zoologischen Philosophie stellt Lamarck jedoch einen Nebengedanken vor, der heute, wie bereits oben erwähnt, zentraler Bestandteil der Biologie ist, und in jedem Lehrbuch wiederzufinden sein wird. Die Sprache ist vom Lamarckismus.

„Jede Veränderung eines Organs vererbt sich auf die Jungen, wenn sie beiden Individuen gemein war, die durch die Befruchtung zur Fortpflanzung ihrer Art beigetragen haben.“[2]
Lamarck, der damals rein gar nichts über die Mendel’schen Regeln wusste, weil diese in der Fachwelt einfach ignoriert und für falsch gehalten wurden, und auch keine Ahnung von den vier Basen oder dem Genom hatte, greift den Punkt der Vererbung auf, der absolut richtig ist.

Wie man heute gentechnisch beweisen kann, haben die meisten Veränderungen des Erscheinungsbildes (Phänotyps) auch Auswirkungen auf das Genom (Genotyp) oder andersherum. Solche Veränderungen werden in der Regel auch vererbt.

Lamarcks Evolutionstheorie in seiner Zeit

Lamarck fand anfangs großen Anklang und viel Zustimmung, auch wenn es sicherlich einige Gegenstimmen gab. Gerade die Tatsache, dass seine Zoologische Philosophie die erste ausformulierte Evolutionstheorie in der Biologie war, machte sie weltberühmt und damit auch noch zum Gegenstand im heutigen Biologieunterricht, obwohl der Hauptgedanke falsch ist und lediglich ein kleiner Nebenaspekt richtig ist.


[1] Lamarck, Zoologische Philosophie

[2] Lamarck, Zoologische Philosophie

Über Philipp Schneider

Noch Schüler, ab dem nächsten Jahr hoffentlich Student der Philosophie || Veröffentlichungen hier vor allem in dern Rubriken Philosophie und Deutsch, aber auch Biologie und Sozialwissenschaften
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Eine Antwort auf Ursachen der Evolution bei Lamarck

  1. Rob sagt:

    Zitat Anfang „Geht man davon aus, dass Lamarck richtig lag, wäre der Gegenschluss, dass wenig gebrauchte Körperteile sich zurückbilden. Das würde bedeuten, dass Giraffen im Zoo, deren Nahrung meistens auf dem Boden liegt, mit der Zeit ihren langen Hals zurückbilden würden, weil sie diesen einfach nicht mehr gebrauchen. Lamarcks Hauptgedanke ist also falsch und diese Tatsache lässt sich durch einen Zoobesuch beweisen.“ Zitat Ende

    Und wie sind rudimentäre Organe dann entstanden?

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