Orff

Carl Orff war Komponist, Theatermann, Humanist und Pädagoge. Er wurde am 10. Juli 1895 als Sohn einer alten bayerischen Offiziers- und Gelehrtenfamilie in München geboren. In Orffs Elternhaus wurde regelmäßig musiziert. Vater Heinrich, Offizier, spielte Klavier und diverse Streich­instrumente, seine Mutter war ausgebildete Pianistin, sie erkannte und förderte die musikalische Begabung von Carl Orff. Im Alter von fünf Jahren erhielt Orff die ersten Klavierstunden, zwei Jahre später folgte der Unterricht auf dem Violoncello. Konzert- und Theater­besuche fanden bereits 1903 statt.

Von 1905 bis 1907 besuchte er das Ludwigsgymnasium, dann wechselte er auf  das Wittelsbacher-Gymnasium ebenfalls in München. 1912 verließ er vorzeitig die Schule, um an der Akademie der Tonkunst in München Musik zu studieren.

1916 war Orff Kapellmeister an den Münchner Kammerspielen. 1917 leistete er Kriegsdienst an der Ostfront und kam als Verwundeter kurz darauf nach Deutschland zurück. Ein Jahr später übte er das Amt des Kapellmeisters in Mannheim und Darmstadt aus.

Carl Orff war viermal verheiratet, darunter von 1954 bis 1959 in dritter Ehe mit der Schriftstellerin und Pädagogin Luise Rinser. Er hatte eine Tochter aus erster Ehe, die Schauspielerin Godela Orff.

Die These „Musik beginne im Menschen“ bildet die Grundlange zu Carl Orffs musikpädagogischem Konzept, das zu ›Elementarem Musizieren‹ ermuntern möchte. Darin sind Sprache, Tanz und Musik gleichwertige Ausdrucksformen.

Auch andere Kunstformen, etwa das darstellende Spiel und die bildnerische Gestaltung können miteinbezogen werden.

Das Märchen »Die verspielte Tochter des Mythos« bot Orff eine nie versiegende Inspirationsquelle für seine Werke. Er verwendete das Märchen ›Der Mond‹ der Brüder Grimm als Vorlage für sein ›Kleines Welttheater‹. Auch der Oper ›Die Kluge‹ liegen Märchen zugrunde. Mehr noch als im ›Mond‹ ist in der ›Klugen‹ die Sprache von zentraler Bedeutung.
Der musikalische Stil ist von den drastisch-derben Sprüchen aus einer Sprichwort-Sammlung von 1850 inspiriert.

Heute ist immer noch umstritten, ob Carl Orff Verbindungen zum NS-Staat hatte. Nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse wollte Orff eine Karriere in Deutschland machen und er hat sie gemacht. Er hat im nationalsozialistischen Deutschland gelebt und gearbeitet, er hat dieses System nicht befürwortetet, aber er hat auch nichts dagegen unternommen. Er war ein Mensch im NS-Staat wie viele andere auch, obwohl er für das Dritte Reich ein Werk für  die Olympischen Spiele von Berlin im Jahre 1936 komponiert hat.

1949 wurde Carl Orffs ›Antigone‹ zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. Die Sprachgewalt von Friedrich Hölderlins Nachdichtung des Trauerspiels von Sophokles begeisterte den Musikdramatiker. Mit ›Antigone‹ schuf er ein völlig neuartiges Musiktheater. Diesen Stil setzte er auch stets in ›Ödipus‹ fort.

Mit seinem persönlichsten Werk, ›De Temporum Fine Comoedia‹, dem ›Spiel vom Ende der Zeiten‹, beendete Carl Orff sein Lebenswerk.

In den Jahren 1975-81 dokumentiert Carl Orff sein künstlerisches Werk in der achtbändigen Veröffentlichung ›Carl Orff und sein Werk‹.

Carl Orff erhielt zahlreiche Auszeichnungen: Ehrendoktor wurde er in München und Tübingen, das Große Verdienstkreuz der Bundes­republik Deutschland erhielt er 1972. 1974 wurde Orff mit dem Romano-Guardini-Preis ausgezeichnet.

Gestorben ist Carl Orff am 29. März 1982 in München. Er wurde in der Schmerzhaften Kapelle der Klosterkirche zu Andechs beigesetzt, was für einen Nichtadligen und Nichtgeistlichen eine außer­gewöhnliche Ehre ist. In Andechs finden jeden Sommer Aufführungen zu Ehren von Orff statt.

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