Iphigenie und Woyzecks Marie – zwei Frauenbilder prallen aufeinander

Unterschiedlicher könnten Frauenbilder gar nicht sein! Auf der einen Seite steht Iphigenie, die pflichtbewusste und nach den Idealen der Klassik und des Humanismus handelnde Priesterin, und auf der anderen Seite steht Marie, die Geliebte von Woyzeck, die nur ein Ziel hat, nämlich materiellen Reichtum und um dieses Ziel zu erreichen, ist ihr jedes Mittel recht.

Wie bereits erläutert, stellt Goethe mit seiner Figur Iphigenie das ideale Frauenbild der Klassik vor, die pflichtbewusst handelt, nach den Idealen der Klassik und des Humanismus entscheidet und immer eine Harmonie zwischen Pflicht und Neigung aufweist. Bei Woyzecks Marie ist das jedoch ganz anders.

Marie – oder wie Büchner die Frau darstellte

Büchner entschied sich in seinem Woyzeck für ein eher negativ belastetes Frauenbild als Vorlage für Marie, der Freundin des Protagonisten Woyzeck. Das beginnt bereits in der zweiten Szene, ganz deutlich zu werden:

„MARIE […]: He Bub! Sa ra ra ra! Hörst? Da komme sie.
MARGRETH: Was ein Mann, wie ein Baum.
MARIE: Er steht auf seinen Füßen wie ein Löw. (Tambourmajor grüßt.)
[…]
MARIE: Soldaten, das sind schöne Bursch…“[1]

Denn hier bewundert Marie, obwohl mit Woyzeck in einer festen Beziehung, die Soldaten und tanzt sogar später mit dem von ihr ungebetenen Tambourmajor. Vor allem aber bewundert sie die Besitztümer dieses Mannes, da sie selbst aus bettelarmen Verhältnissen stammt und Woyzeck ihr nicht das bieten kann, was sie will.

Büchner beschränkt seine Marie auf das reine Äußerliche und lässt sie auch nach diesen Äußerlichkeiten, wie Reichtum, handeln. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass Marie neben dem Pauperismus auch den Materialismus – ebenso wie Woyzeck selbst, wenn auch nicht so stark – verkörpert.

Marie und Iphigenie in direktem Vergleich

Der Unterschied zwischen diesen beiden Damen wurde bereits in den ersten Passagen deutlich, dennoch sollen beide einmal direkt gegenüber gestellt werden:

Iphigenie:                                                                             Marie:
– nicht auf Besitztümer angewiesen                                    – gierig nach Reichtum und               – pflichtbewusst                                                                         Besitztümern
– Humanismus                                                                        – handelt nach Neigungen
– aufrichtig und ehrlich                                                          – Egoismus
– verlogen und betrügerisch

Mit Marie und Iphigenie prallen also zwei Frauenbilder aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. So lässt sich definitiv ein Wandel der Frauenbilder im Laufe der verschiedenen Epochen feststellen.


[1] Woyzeck, Georg Büchner, Neuveröffentlichung 2010, Schöningh Verlag

Über Philipp Schneider

Noch Schüler, ab dem nächsten Jahr hoffentlich Student der Philosophie || Veröffentlichungen hier vor allem in dern Rubriken Philosophie und Deutsch, aber auch Biologie und Sozialwissenschaften
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5 Antworten auf Iphigenie und Woyzecks Marie – zwei Frauenbilder prallen aufeinander

  1. Mario sagt:

    Die Iphigenie ist wie sie angesprochen haben nicht verlogen und betrügerisch. Bitte korrigieren sie das, sie nutzt niemanden aus und ist nicht hinterlistig.
    Gruß

  2. Ulf sagt:

    Es ist zu sagen, dass die Darstellung Maries auch auf Büchners Literaturauffassung züruckgeführt werden kann, da es in dieser heißt, dass er sich klar von der idealisierten, klassischen Dichtung abwendet. Seine realistische Auffassung im Bezug auf Marie ist eventuell sogar als Kritik an ebendieser Darstellung Iphigenies zu deuten.
    Sehr hilfreicher Artikel!
    Grüße

    • Sonya sagt:

      Hallo „Ulf“,

      ich bin derzeit dabei eine Facharbeit mit dem Thema „Iphigenie und Woyzecks Marie – zwei verschiedene Frauenbilder“ zu schreiben und habe deinen Beitrag gelesen.
      Die Kritik die Büchner eventuell an Goethes Iphigenie hat interessiert mich nun nachdem ich Dein Kommentar gelesen habe.
      Könntest Du möglicherweise etwas genaueres dazu schreiben ?
      Denn das wollte ich auch gern als „Unterthema“ nehmen.

      Würde mich sehr freuen 🙂
      Mfg

  3. Itzel sagt:

    Die Iphigenie ist wie sie angesprochen haben nicht vereogln und betrfcgerisch. Bitte korrigieren sie das, sie nutzt niemanden aus und ist nicht hinterlistig.Grudf

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