Tobin-Steuer – Mehr Geld und weniger Devisengeschäfte?

Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler James Tobin schlug 1972 vor, eine Steuer auf alle Devisentransaktionen von einem Prozent zu erheben. Er argumentierte dabei, dass „der deregulierte Kapitalfluss mit seinen abrupten Richtungsänderungen und chaotischen Kursausschlägen […] der materiellen Wirtschaft [schadet]“ (Dialog SoWi 2, Seite 209ff) und dass eine solche Steuer die Zahl der Devisentransaktionen senken würde und damit das Risiko einer möglichen Wirtschaftskrise. An dem Vorschlag einer solchen Steuer lässt sich leicht erkennen, dass Tobin kein Befürworter der Globalisierung war und den Devisentransaktionen kritisch gegenüber stand.

Gute Idee! Die Tobin-Steuer würde Geld in die Kassen der internationalen Staatengemeinschaft und der Staatshaushalte spülen

Die Befürworter der Tobin-Steuer sahen zwei große Vorteile in der Einführung einer solchen Steuer. Durch die Steuer eingenommene Gelder könnten beispielsweise für die Entwicklungshilfe verwendet werden und so Millionen von Menschen helfen. Außerdem würde die Zahl der Devisenmarkttransaktionen somit sinken und damit wäre das Risiko von Schwankungen in Konjunkturzyklen gering und damit würde es zu weniger Wirtschaftskrisen kommen.

Aber… Was ist mit den freien Kapitalmärkten?

Globalisierungsbefürworter und damit Tobin-Steuer-Gegner argumentieren, dass freie Kapitalmärkte Angebot und Nachfrage nach Kapital weltweit zu einem effizienten Ergebnis bringen und bei Einführung einer solchen Steuer könnte es zu Effizienzeinbußen kommen. Darüber hinaus wäre die Verwaltung und zielgerichtete Verwendung der Einnahmen einer solchen Steuer politisch gar nicht möglich und sie würde ebenfalls die Liquidität von Märkten stören und damit das Risiko einer Wirtschaftskrise erhöhen.

Forderungen im 21. Jahrhundert, einem Zeitalter der Wirtschaftskrisen

Der Ökonom Manfred Gärtner äußert in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT seine Gedanken zu der Einführung der Tobin-Steuer:

Gärtner: Die viel diskutierte Tobin-Steuer wäre sicherlich sinnvoll, also eine Steuer auf Finanztransaktionen, die Sand ins Getriebe der internationalen Finanzmarktindustrie streuen würde. Sie könnte kurzfristige Vermögensverschiebungen bremsen, die der Weltwirtschaft real nichts bringen, aber Hektik in die Märkte tragen und für die Realwirtschaft gefährliche Spekulationsblasen auslösen können.
ZEIT ONLINE: Gibt es eine solche Blase auch wieder im Fall Griechenlands?
Gärtner: Die Gesamtschulden Griechenlands könnte die EU theoretisch aus der Portokasse begleichen. Das Problem hat aber eine viel größere Dimension: Neben dem Kernmarkt der Staatsanleihen spekulieren Anleger heftig auf eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Und diese Kreditausfall-Produkte haben wieder ein Volumen angenommen, das ein Vielfaches der Schuldensumme ist. Das ist so, als hätte halb Deutschland, Millionen Leute, die Sie gar nicht kennen, eine Lebensversicherung auf Sie abgeschlossen. Man weiß gar nicht mehr, wer alles in welchem Ausmaß in die Griechenland-Krise involviert ist und wer von einem Bankrott betroffen wäre.

Damit greift er ein beliebtes Thema der Franzosen auf. Wie DIE ZEIT berichtete, sind 60 Staaten für die Einführung einer Steuer auf Devisentransaktionen. Die Franzosen behaupteten, dass die Einnahmen von 35 Milliarden direkt in die Entwicklungshilfe fließen könnten.

Also nur noch eine Frage der Zeit, bis es die Tobin-Steuer gibt?

Schwer zu sagen, denn offensichtlich verweigern sich zu viele Staaten, ansonsten wäre die Steuer sicherlich schon längst eingeführt worden. Vielleicht ist der politische Aufwand und später der Aufwand in der Verwaltung der Steuer und der mit ihr eingenommenen Gelder auch einfach zu hoch!

Über Philipp Schneider

Noch Schüler, ab dem nächsten Jahr hoffentlich Student der Philosophie || Veröffentlichungen hier vor allem in dern Rubriken Philosophie und Deutsch, aber auch Biologie und Sozialwissenschaften
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