Die Buddenbrooks – Mann’sche Ironie

Mann war großer Fan von Ironie – aktiver (Kapitel 18) und passiver (Kapitel 81 – 83).

Die aktive Ironie, also jene, die man beim Lesen direkt heraushört bzw. herausliest, lässt sich vor allem in dem Kapitel finden, in dem Grünlich das erste Mal auftritt (Kapitel 18). Besonders auf Seite 95 ganz unten findet sich ein Abschnitt, in dem es nur so vor Ironie trieft: „Herr Gründlich lobte die vornehme Anlage des Hauses, er lobte die ganze Stadt überhaupt, er lobte auch die Cigarre des Konsuls und hatte für Jeden ein liebenswürdiges Wort.“ Allerdings lässt sich diese Form der Ironie nicht überall finden, viel eher lässt sich eine passive, typische Mann-Ironie finden, die exemplarisch an der Sterbeszene der Konsulin in den Kapitel 81 bis 83 untersucht werden soll.

In diesen Kapiteln stirbt die Konsulin und es lässt sich an vielen Stellen Ironie finden. Es beginnt damit, dass das grausame Leide der Sterbende von den Ärzten bagatellisiert wird, ja sogar verniedlicht. Und auch der Erzähler lenkt den Fokus auf völlig andere Dinge, wie zum Beispiel die Möbel oder das Wetter.

Ihr Sohn Christian lenkt die Aufmerksamkeit der Personen  auf sich selbst und leidet für sich. Er lässt das Leiden seiner Mutter praktisch außen vor und interessiert sich auch nicht für die Gefühle der anderen Personen. Und auch Tony handelt nicht normal, so bringt sie ihr „Hintergrundwissen“ sachlich ein und will sich damit beweisen und Distanz zum Geschehen schaffen.

Die Mann’sche Ironie beschränkt sich also auf die Unangemessenheit der Darstellung (Form und Inhalt passen nicht zusammen), wie die komischen Elemente innerhalb grausamer Szenen. Thomas Mann verwendet die Ironie um die Selbsterhaltung der Personen durch die Distanzierung des Geistes von der Daseinstragik darzustellen. Er versteht die Ironie also als Kritik des Lebens, der Wirklichkeit und auch der menschlichen Gesellschaft.

 

Über Philipp Schneider

Noch Schüler, ab dem nächsten Jahr hoffentlich Student der Philosophie || Veröffentlichungen hier vor allem in dern Rubriken Philosophie und Deutsch, aber auch Biologie und Sozialwissenschaften
Dieser Beitrag wurde unter Deutsch abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.