Platons Liniengleichnis

Das dritte Gleichnis in Platons Lehre ist das Liniengleichnis, welches Platons Vorstellung erklärt, wie sich der Mensch mit der Welt auseinandersetzt. Es folgt dem Sonnengleichnis und geht dem Höhlengleichnis voraus:

In seiner Politeia steht folgendes zum Liniengleichnis: „Stelle sie [= die zwei Reiche, das Sichtbare und das Erkennbare, Anm.d.Verf.] dir wie eine Linie vor, die in zwei ungleiche Teile geteilt ist; nimm die Teile und unterteile sie nochmals in gleichem Verhältnis; der eine stellt das Gebiet des Sichtbaren dar, der andere das des Erkennbaren. Nach ihrer relativen Klarheit und Unklarheit hast du um sichtbaren Teil als einen Abschnitt die Abbilder. […] Den anderen Abschnitt denke dir dann für die Dinge, denen die Bilder ähneln, also die Lebewesen um uns, die ganze Pflanzenwelt und die vielfältigen Geräte menschlicher Erzeugung.“

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Auf der einen Seite des Liniengleichnisses steht die Welt, die sich in „Erkennbares“ und „Sichtbares“ aufteilen lässt, wobei das Erkennbare über dem Sichtbaren steht. Unter „Erkennbares“ fallen zum Beispiel Ideen (Idee des Guten, des Schönen, …) und mathematische Objekte; unter „Sichtbares“ zum Beispiel Pflanzen, Tiere und menschliche Artefakte, aber auch Schatten und Bilder.

Dem gegenüber liegt der Mensch, der sich in „Seele“ und „Körper“ unterteilen lässt. Die Seele steht dem „Erkennbaren“ gegenüber, denn durch „Vernunft“ (Erkennen; bei Platon: Wissenschaft der Dialektik) und „Verstand“ (Nachdenken; bei Platon: Mathematik, Geometrie und Arithmetik) lassen sich Ideen und mathematische Objekte erkennen.
Dem Sichtbaren steht der Körper gegenüber, das „Meinen“ (bei Platon: Wahrnehmung der Umgebung) und das „Vermuten“ (bei Platon: Betrachten von Schatten) machen Pflanzen, Tiere und menschliche Artefakte genauso sichtbar wie Schatten und Bilder.

Wichtig ist noch, dass es vom „Erkennbaren“ zum „Sichtbaren“ immer unklarer wird, genauso wie von der „Seele“ zum „Körper“ die Wahrheit abnimmt. So kann gesagt werden (gerade in Bezug auf das Höhlengleichnis), dass beispielsweise die Schatten (gehören zu „Sichtbares“ und stehen dem „Körper“ gegenüber) unklar und nicht wahr sind. Ideen dagegen, die zu „Erkennbares“ gehören und der „Seele“ gegenüber stehen, sind klar und wahr.

Aus dem Liniengleichnis lässt sich eine wichtige Konsequenz für Platon ziehen, speziell für seine Staatsphilosophie, nämlich die Wichtigkeit der Ideen in Platons Weltbild; so lässt sich ganz klar festhalten, dass Ideen für Platon das klarste und wahrste (den Superlativ von wahr gibt es im Deutschen so nicht, allerdings passt er hier zur Darstellung sehr gut) sind.

Über Philipp Schneider

Noch Schüler, ab dem nächsten Jahr hoffentlich Student der Philosophie || Veröffentlichungen hier vor allem in dern Rubriken Philosophie und Deutsch, aber auch Biologie und Sozialwissenschaften
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