Platons Höhlengleichnis

Wenn ich an die griechische Antike denke, fällt mir sofort das Dreigestirn der abendländischen Philosophie ein, die mit ihrem Licht der Philosophie den Weg ebneten und Teil jener Kultur war, ohne welche es kein modernes Europa gäbe. Von wem die Rede ist? Natürlich von Sokrates, Platon und Aristoteles. Und hier soll es jetzt ganz speziell um Platons Höhlengleichnis gehen, das oft als Grundstein der Erkenntnistheorie bezeichnet wird.

Das Höhlengleichnis stammt aus dem siebten Buch der Politeia, seinem Hauptwerk. In der Politeia stelle Platon seine Vorstellung eines idealen Staates vor und stellt in diesem Kontext die Frage, wie man den Menschen am besten bilden könne. Als Antwort verwendet er das Höhlengleichnis:

Er erklärt, dass der Mensch in einer unterirdischen Höhle gefangen sei und mit dem Rücken zum Ausgang sitze. Er müsse immer auf die Wand ihm gegenüber blicken, da er gefesselt ist und sehe dort die Schatten der Welt. Alle Menschen leben so, wir alle, die ganze Gesellschaft, sagte Platon, wenn auch in einem anderen Wortlaut. Und vor allem sei der Mensch so zufrieden wie es ist, denn er kenne ja nun nichts anderes außer seinem Dasein in dieser Höhle, gegenüber jener „Schattenwand“.

Doch jetzt kommt es: die Schatten sind nicht die Wirklichkeit, sondern lediglich ein Abbild der Realität, die sich außerhalb der Höhle abspielt. Platon glaubt also, dass der Mensch nach seiner Geburt nur Abbilder der Realität erkennt.

Aber was geschieht, wenn man einen der Menschen losbindet, ihm die Freiheit schenkt? Natürlich sei dieser von Neugier gepackt, sagte Platon, und verlässt die Höhle, um die Realität zu entdecken und nicht länger das Leben in der Höhle zu verbringen, mit den Abbildern der Wirklichkeit. Jedoch, so wendete Platon ein, würde jener Mensch wahrscheinlich nicht vor Freude herausrennen, sondern nur langsam und immer mit dem Blick auf den Boden gerichtet die Höhle verlassen.

Allerdings würde sich der Mensch langsam an das Licht gewöhnen und so würde dieser die Wahrheit erkennen und zu der Erkenntnis kommen, dass sein Leben in der Höhle nur ein Abbild der Wirklichkeit war. Doch er kann nicht wieder zurück in die Höhle, denn die Menschen dort würden ihn auslachen, da sie davon ausgehen, dass ihr Leben in der Höhle die einzig wahre Wirklichkeit ist. So bleibt er oben und lebt fortan am Licht der Wahrheit.

Das ist also Platons Höhlengleichnis. Das Höhlengleichnis ist für die Philosophie einer der ersten Schritte, wenn nicht sogar der erste, zu der Frage „Was kann ich wissen?“ gewesen, ohne zu ahnen, dass diese Frage über 2000 Jahre später zu einem zentralen Punkt der Kant’schen Philosophie wurde.

Als Lösung für das „Kettenproblem“ lieferte Platon die philosophische Erziehung. Seiner Meinung nach würde eine philosophische Ausbildung (es muss bedacht werden, dass zur Philosophie in der griechischen Antike mehr gehörte, wie heute; Mathematik, Physik, Kosmologie und viele andere moderne Wissenschaften waren Teil der antiken Philosophievorstellung) den Geist des Menschen reifen lassen, sodass der Mensch dann seine Ketten ablegen könne und das Licht der Welt – ein Synonym für die Realität – erkennen könne. Seine Vorstellung der philosophischen Erziehung taucht auch in seiner Staatsphilosophie noch einmal auf, aber dazu später mehr.

Wichtig ist, dass es sich bei dem Gleichnis um eine Art Metapher, Sinnbild, Allegorie oder wie immer man es nennen mag, handelt. Man könnte auch sagen, dass der Geist des Menschen gefesselt ist und weniger der Mensch selber. Also nicht wörtlich nehmen!

Über Philipp Schneider

Noch Schüler, ab dem nächsten Jahr hoffentlich Student der Philosophie || Veröffentlichungen hier vor allem in dern Rubriken Philosophie und Deutsch, aber auch Biologie und Sozialwissenschaften
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