Die Zuckerrübe – Anbau und Wirtschaftliche Bedeutung

Die Zuckerrübe ist eine landwirtschaftlich genutzte Kulturpflanze und gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Lateinisch heißt das „Beta vulgaris subaris“ oder „Vulgaris varis altissima“.

Biologie

Die Zuckerrübe ist eine zu den Fremdbefruchtern zählende zweijährige Pflanze. Sie bildet im zweiten Jahr einen Blütenstab und Samen aus. Im ersten Jahr entwickelt sie oberirdisch eine Blattrosette mit etwa 20 breitflächigen, bis zu 30 cm langen Blättern und die Wurzeln verdicken sich zu einem großen Rundkörper. Die Zuckerrübe ist ein Pfahlwurzler, ihre Wurzeln können bis zu 11/2 Meter tief in den Boden reichen.

Die Ernte erfolgt im ersten Jahr. In diesem Zeitraum werden Reservestoffe gespeichert und damit ist Zuckergehalt am höchsten. Zum Erntezeitpunkt hat die Rüben ein Gewicht von ca. 700 g bis 1200 g. Im zweiten Jahr entsteht ein etwa 1,5 m hoher verzweigter Blütenstab mit unscheinbaren Blüten. Durch längere Perioden mit Temperaturen zwischen 0 und 8 Grad nach der Aussaat kann bereits im ersten Jahr eine Blütenstab gebildet werden. Dieser wirkt sich störend auf die maschinelle Ernte aus und verursachen Mindererträge, da die Rübenkörper klein bleiben und somit einen geringen Zuckerertrag liefern. Die Zuckerrübe wird vorwiegend im gemäßigtem Klimabereich angebaut.

Hauptverbreitungsgebiet ist Europa, aber auch in den USA, in Kanada und in Asien wird sie angebaut. Für einen hohen Ertrag benötigt die Zuckerrübe gemäßigte Temperaturen, viel Licht, viel Wasser, tiefgründige nährstoffreiche Böden mit guter Wasserführung. Der Wasserbedarf der Zuckerrübe ist besonders im Juli und August hoch. Im Jugendstadium ist die Pflanze frostempfindlich.

Geschichte

Der Chemiker Andreas Sigismund Marggraf wies 1747 erstmals den Zuckergehalt der Runkelrübe nach. 1801, nach der erfolgreichen Züchtung der weißen Rübe, schuf der Physiko – Chemiker Franz Carl Achard auch die Grundlagen der industriellen

Zuckerproduktion. Die erste Rübenzuckerfabrik der Welt entstand in Cunern (Schlesien, an der Deutsch – Polnisch – Tschechischen Grenze).Um 1850 begann mit der Einführung der Drillmaschine die Mechanisierung des Zuckerrübenanbaus.

Entstehung

Die Zuckerrübe entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch Züchtung aus der Runkelrübe, wobei  ein hoher Zuckergehalt gewollt war. Dadurch konnte der Zuckergehalt von anfänglich 8 % auf 16 % (um 1800) gesteigert werden, heutige Zuckerrüben haben einen Zuckergehalt von 18 % bis 20 %. Sie bildet den Zucker indem sie die Photosynthese nutzt.

Die Zuckerrübe ist weltweit eine der bedeutendsten Rohstoffquellen zur Gewinnung von Zucker. Im Wirtschaftsjahr 2005/06 wurden 109,4 Mio. t (74 %) aus Rohrzucker und 38,3 Mio. t (26 %) aus Rübenzucker produziert, während das Verhältnis um 1960 noch bei 57 % Rohrzucker und 43 % Rübenzucker lag.

Anbau

Der Anbau der Zuckerrübe ist meist sehr lohnend, stellt aber besonders hohe Ansprüche an die Beschaffenheit und Düngung des Bodens. Je trockener das Klima, desto mehr verlangt die Rübe. Am besten eignen sich humose Lehm- und Lössböden, ungeeignet sind trockene Sandböden, Tonböden und alle flachgrundigen, nassen Bodenarten.

Um den Anbau der Zuckerrübe möglichst wirtschaftlich zu machen, steht den Anbauern heute eine intensive Beratung zur Verfügung. Die Beratung umfasst die Bereiche Bodenbearbeitung, Düngung, Pflanzenschutz, Ernte usw.

Saat

Man baut die Zuckerrübe nach gedüngtem Wintergetreide an, pflügt nach einigen Wochen tief und eggt und walzt im Frühjahr. Will man frisch düngen, so muss der Dünger sehr zeitig im Herbst in den Boden gebracht werden. Von den mineralischen Düngemitteln stehen Phosphate an erster Stelle. Da die Vegetationszeit 26-30 Wochen dauert, sät man sehr früh, Ende März oder Anfang April. Je reicher der Boden, desto enger muss gebaut werden, um nicht zu große Rüben zu erhalten. Bei der Reihensaat gibt man einen Abstand von 30-50 cm, die Tüpfelsaat wird in der Regel mit der Dibbelmaschine ausgeführt. Man braucht hierbei 9-10, bei der Drillsaat 15-20 kg Kerne pro Hektar.

Eventuelle Verkrustung des Bodens vor Aufgehen der Saat wird durch Überfahren mit einer Stachelwalze beseitigt, später hackt man zwei- oder dreimal und lässt schließlich ein leichtes Behäufeln folgen. Nach dem ersten Hacken werden die Rüben auf 18-20 cm vereinzelt. Von den übrigbleibenden Pflanzen zieht man alle bis auf die stärksten aus und legt sie zwischen die Reihen, um das Aufkommen des Unkrauts zu verhindern.

Die Aussaat erfolgt Mitte März bis Anfang Mai. Technisch aufwendig aufbereitetes Saatgut wird als Einzelkornsaat mit Einzelkornsämaschinen in Reihen im Abstand von 45 cm bzw. 50 cm und einer Tiefe von 2 bis 3 cm ausgebracht, dabei wird ein Bestand von 7–11 Pflanzen pro m² erreicht.

Ernte

Die Ernte erfolgt ab September bis Mitte November, wobei eine spätere Ernte bei guter Witterung Vorteile hat, da der Zuckergehalt bei längerer Zeit steigt. Die Rübenerntezeit nennt man auch Kampagne. Früher wurden Zuckerrüben durch Handarbeit geerntet. Man schnitt Kopf und Blätter ab und stach die Rüben dann heraus oder man stach sie erst heraus und entfernte dann mit einem Messer Kopf und Blätter. Die Rübenblätter wurden als Viehfutter verwendet. Die herausgestochenen Rüben wurden von der an ihnen haftenden Erde befreit. Die gesäuberten Rüben wurden dann entweder per Hand oder mit einer Rübengabel auf einen Anhänger geladen und zur weiteren Verarbeitung in die Zuckerfabrik transportiert.

Es gibt die Möglichkeit, die ersten beiden Arbeitsschritte von einer Maschine und das Aufsammeln von einer zweiten Maschine erledigen zu lassen, oder alle Arbeitsschritte mit einer Maschine, dem Rübenvollernter, auszuführen. Die Blätter der Rüben werden beim Entfernen gleich gehäckselt und dann entweder auf dem Feld belassen, zur Düngung oder direkt auf einen Anhänger verladen. Die Erträge liegen bei 40 t – 70 t, was die Produktion von 10 t Zucker ermöglicht.

Verwendung

Die Zuckerrübe wird als Rohstoff für die Zuckerfabrikation (Saccharose) angebaut. Die Zuckerausbeute beträgt etwa 16-17 %. Ein weiteres industrielles Nebenprodukt ist ein per Kristallisation entzuckerter, aber noch immer stark zuckerhaltiger Sirup, die Melasse. Sie dient unter Anderem der i Alkoholgewinnung, aber auch als Nährboden für Backhefe oder Zitronensäure. Das aus der Weiterverarbeitung der Melasse entstehende, weitestgehend zuckerfreie Nebenprodukt ist die Vinasse.

Als Rückstände der Zuckerherstellung fallen die ausgelaugten Rübenschnitzel an, sie dienen als Futtermittel. Zuckerrübensirup, teilweise aber auch Melasse, wird als Brotaufstrich gegessen. Zuckerrübensirup ist aber auch deutschlandweit im Handel erhältlich. Zuckerrüben werden aber auch zur Gewinnung von Bio-Ethanol und Biogas verwendet.

Wirtschaftliche Bedeutung

Nahezu die Hälfte des derzeit weltweit produzierten Zuckers wird aus Zuckerrüben gewonnen. In der EU werden ca. 120 Millionen Tonnen Rüben pro Jahr produziert, aus welchen die europäische Zuckerindustrie 15 Millionen Tonnen Kristallzucker gewinnt.

Deutschland mit etwa 500.000 Hektar ist der Hauptproduzenten, aber in nahezu allen europäischen Ländern wird Zucker hergestellt. Fast 90 Prozent des in Europa konsumierten Zuckers stammen heute aus heimischem Anbau.

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