Die Entwicklung des Gottesgedanken im Alten Testament

Die Gottesvorstellung jedes einzelnen muss nicht immer die gleiche sein. Sie kann sich z.B. durch eigene und äußere Einflüsse verändern. Wie man im Alten Testament sehen kann, hat sich der Gottesgedanke auf folgenden “Stationen“ verändert.

Gott der Patriarchen
Ca. 1500 v. Chr. zogen die Menschen noch als Nomaden in Sippen herum und hatten dabei einen, für die Sippe, persönlichen Schutzgott – der Gott des Sippenältesten z.B. der Gott Abrahams In diesem Denken war Gott der Anführer und Beherrscher der Natur und garantierte damit Wohlergehen der Familie und der Herde.

Gott Moses
Als die Mose-Schar aus Ägypten geflohen war, schloss sie sich im Verlauf der “Wüstenwanderung“ und der “Landnahme“ mit anderen Stämmen zusammen. Dabei verehrten sie den Gott Jahwe, da er durch die Exodus-Ereignisse zu “ihrem Gott“ geworden ist – er hat ihr Schicksal gelenkt und ist dadurch: “Herr der Geschichte“ — dennoch nicht der einzige Gott, der verehrt wird.
Im Gegensatz zu den altorientalischen Gottheiten wurde Jahwe bildlos dargestellt. Dadurch ist der Gott einerseits unvergleichlich und andererseits unverfügbar.

Jahweglaube in der vorstaatlichen Zeit
Ca. 1200 – 1000 v. Chr. mit der “Landnahme“ und dem Sesshaftwerden, wuchs die Abhängigkeit von der Natur, die sich auch in der Religion niederschlägt. Durch das Zusammenwachsen verschiedener Gruppen wurden auch verschiedene “Patriarchen-Götter“ integriert – von denen die Meisten weiterhin verehrt werden. Zunächst wird der höchste kanaantische Gott El als “Höchster“ akzepiert, später aber mit El identifiziert.

Gottesbild der Königszeit
David hat Jahwe zum offiziellen Staatsgott gemacht, dennoch wurde er fast nur von der Oberschicht akzeptiert. Die Landbevölkerung verehrte weiterhin eher kanaantische Gottheiten und Sippengötter.
Salomons Tempelbau sollte primär der Verehrung Jahwes dienen, trotzdem hatte Salomon auch anderen Göttern einen Platz im Tempel gewährt. Aus diesem Grund entstand aber die monotheistische, so genannte “Jahwe-allein-Bewegung“, die allerdings erst zur Zeit des Propheten Hosea (ca. 750 v. Chr.) richtig anfing und unter Hesekiel und Jeremia (ca. 6. Jahrhundert v. Chr.) kompromissloser wurde.

Babylonische Gefangenschaft
Als Jerusalem 586 von den Babyloniern zerstört wird, führt dies zu einer tiefen politischen und religiösen Krise. Im damaligen Denken gab es zwei Varianten:

  1. Die babylonischen Götter sind stärker als Jahwe. Das Resultat davon wäre nichtmehr an Jahwe zu glauben sondern die babylonischen Götter anzunehmen.
  2. Aktuelles Leid ist eine Strafe Jahwes für die Sünden. Damit ist Jahwe “Herr des Geschehens“

Man entschied sich für die zweite Lösung. Es kam zu einer Umkehr und zu einem radikalen Neuanfang: Der Monotheismus setzt sich durch.
Zusammen mit der Durchsetzung des Monotheismus kam es auch zu einer Transzendentalisierung des Glaubens. Jahwe sei nichtmehr nur an das Land Israel gebunden, Jahwe wird “Herr aller Völker“…

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