Petrons Satyricon

Die Satyricon (libri), abgeleitet von dem griechischen Adjektiv satyrika: hönisch, spöttisch (Satyrn sind die bocksfüßigen, wollüstigen Beleiter des Weingottes Dionysos), sind Bücher die von leichtlebigen, weinseligen, lüsternen Menschen nach dem Vorbild der Satyrn leben oder allgemein von satyrhaften Begebenheiten handeln.

Der Autor ist höchstwahrscheinlich T. Petronius Arbiter, der von Tacitus in den Annales erwähnt wurde. Petron wird dort als arbiter elegantiae Neros bezeichnet (etwa: “Schiedsrichter des feinen Geschmacks“). Er begang Selbstmord, nachdem er aus Neid im Jahre 66 von dem Prätorianerpräfekten Tigellinus beschuldigt wurde an der Pisonischen Verschwörung gegen Nero teilgenommen zu haben.

Inhalt der Satyricon ist, dass der Ich-Erzähler Enclopius, verfolgt von Priapos, dem griechischen Fruchtbarkeitsgott, umherzieht und vieles erlebt. Dabei wird er von seinem Lieblingssklaven Giton, zu dem er auch ein homosexuelles Verhältnis hat, begleitet und teilweise getrennt. Von dem “Gesamtwerk“, dessen Umfang unklar ist, ist die cena Trimalchionis (Gastmahl bei Trimalchio, einem reichen, freigelassenen Sklaven) als einzige größere, zusammenhängende Episode überlierfert. Darin werden relativ realistisch, wenn auch starkt übertrieben, die sozialen Verhältnisse und Mängel der frühen Kaiserzeit geschildert.

Im Werk wechselt sich Prosa mit Verssprache ab, weshalb die Satyricon rein formal einer mennipeischen Satire entsprechen. Dabei verändert sich die Sprache auch immer im Bezug auf den jeweiligen Sprecher, so spricht z.B. in der cena Trimalchionis nur Enklop in gebildetem, urbanen Prosa, während die anderen ihren teilweise niedrigen sozialen Stand durch Verwendung von “Vulgärlatein“ (das den grammatikalischen Regeln der Hochsprache oftmals widerspricht) ausdrücken.

Die Satyricon lassen sich nicht eindeutig einer Gattung zuweisen, so enthalten sie zwar die formalen Elemente der mennipeischen Satire, entsprechen aber inhaltlich eher einer Parodie auf den hellenistischen Liebesroman (ein Liebespaar muss Abenteuer bestehen, bis es am Ende glücklich vereint ist) oder, durch die Vielzahl an Abenteuern, einem Epos gleichen könnte.

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