Die Problematik eines angemessenen Redens von “Gott“

Schon immer hatten die Menschen das Bedürfnis sich über Gott zu unterhalten. Problem dabei ist jedoch, dass Gott für die meisten Menschen etwas ungreifbares und damit auch unkommunizierbares ist. Daher haben sich unterschiedliche “Arten“ der Kommunikation von Gott entwickelt

Anthropomorphe Redeweise
In der Anthropomorphen Redeweise (von griechisch: ho anthropos = der Mensch und hä morphä = die Gestalt) werden menschliche Eigenschaften auf nichtmenschliche Wesen übertragen – z.B. bei Homer, bei dem die Götter menschliche Gestalten und Charakterzüge haben.

Diese Redeweise ist jedoch nicht ganz kritiklos. So hat z.B. der Naturphilosoph Xenophanes (ca. 500 v.Chr.) an ihr einerseits kritisiert, dass sich dann jedes Lebewesen (z.B. Pferde) ihre Götter wie sie selbst vorstellen (also für Pferde wären die Götter auch Pferdegestalten mit ähnlichen Charakterzügen). Andererseits kritisiert er, dass zusammen mit den guten Charakterzügen auch alles was Schimpf und Schande ist auf die Götter projeziert wird.

Auch der Philosoph Fichte meint, dass Gott erst garnicht als Person gedacht werden darf – was allerdings nicht ausschließt, dass die Anthropomorphe Redeweise doch zutrifft. (Ein Gott in Menschengestalt mit menschlichen Eigenschaften hilft außerdem eine persönliche Ich-Du-Beziehung z.B. im Gebet aufzubauen)

Dennoch kann man zusammenfassen, dass eine Vermenschlichung Gottes “Gott“ nicht gerecht werde.

Traditionelle Wege christlichen Redens von Gott
Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Varianten christlichen Redens von Gott:

  1. Via negationis – bei dieser Redeweise werden irdische Begrenzungen verneint – z.B. der Mensch ist endlich — Gott ist unendlich
  2. Via eminentiae – hierbei werden irdische Eigenschaften überhöht – z.B. ein Mensch ist gegenwärtig — Gott ist allgegenwärtig
  3. Via analogiae – für das Reden von Gott werden analoge Redeweisen eingesetzt – z.B. Gott liebt uns wie ein Vater

Problem hierbei ist jedoch, dass durch diese Redeweisen dem Wunschdenken “Tür und Tor“ geöffnet wird und falsche Assoziationen entstehen können, da z.B. nicht jeder das gleiche Bild eines liebenden Vaters im Kopf hat.

Sprachanalytische Philosophie
Die sprachanalytische Philosophie stellt das gesamte “Reden von Gott“ in Frage. Laut einem Grundprinzip dieser Philosophie ist nur das wahr, was empirisch (sinnlich erfahrbar) nachgeprüft werden kann. “Das Blatt ist grün“ wäre z.B. eine wahre Aussage – “Gott ist…“ dagegen wäre nicht empirisch nachprüfbar und damit kein sinnvoller Satz.

Liebe ist z.B. auch nicht empirisch nachweisbar – dennoch existiert sie. Somit ist diese Philosophie also nur an historische Fakten gebunden und tangiert daher auch kaum existentielle Lebensprobleme.

Mystik
Die Mystik aller Religionen geht davon aus, dass das “Problem“ Gott nicht intellektuell gelöst werden kann, daher sollte man auch komplett auf das “Reden über“ Gott verzichten. Statt dessen sollte man mit Gott Einswerden (unio mystica) z.B. durch Meditation oder Ekstase.

Die Problematik der Mystik ist jedoch, dass man mystische Erfahrungen nicht kommunizieren kann, d.h. jeder muss bzw. macht seine eigenen Erfahrungen und kann dabei die Realität verlieren. Außerdem verliert bei dieser Variante die Bibel komplett ihre Bedeutung.

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2 Responses to Die Problematik eines angemessenen Redens von “Gott“

  1. Horst Conze says:

    Danke. Gute und knappe Zusammenfassung über die Rede von Gott. Da ich im Beruflichen Gymnasium Kath. Religion unterrichte, sind solche Zusammenfassungen hilfreich und für Schülerinnen/Schüler verständlich.

  2. Horst Conze says:

    Ergänzungen zur analogen Rede:
    Analogia entis (griech./lat. = Entsprechung des Seins):
    Analogie besagt, dass ein und derselbe Begriff, wird er auf verschiedene Sachverhalte angewandt, unterschiedliche Bedeutung gewinnt. So meint z.B. der Begriff »Staat« oder »Sprache« bei Men-schen und Bienen je etwas Verschiedenes. In der Anwendung dieser »analogen« Begriffe gibt es Ähnlichkeit und Unähnlichkeit. Nach langer theologischer Tradition sind die Begriffe, die wir auf Gott anwenden, analog, z.B. »Vater«, »gut« oder »leben«. Sie haben eine größere Unähnlichkeit als Ähnlichkeit mit dem Begriffssinn aus unserer Erfahrungswelt. Analog wird auch der Begriff des Seins von Gott verwendet, wenn wir sagen: »Gott existiert«. –
    Im Unterschied zu analogen Begriffen sind univoke Begriffe solche, die in gleicher Weise auf ver-schiedene Seiende angewandt werden, z.B. der Begriff »Tier« auf Pferde und Bienen.
    Aequivoke Begriffe liegen dann vor, wenn dasselbe Wort zwei oder mehr völlig verschiedene Be-deutungen hat, z.B. »Hut« als Kopfbedeckung und Vorsichtsmaßnahme.

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