
Weltweit wächst die Wirtschaft, damit steigt der Wohlstand aber auch der Energiebedarf, der in unserer Zeit, hauptsächlich mit fossilen Energieträger getragen wird – Russlands wichtige Rolle als Energielieferant stützt sich auf einige Faktoren.
Günstige geographische Lage
Russland liegt auf dem eurasischen Kontinent und damit einem Kontinent mit Europa und Asien, zwei Regionen mit relativ wenigen Energie-Ressourcen aber sehr hohem Nachfragepotential.
Erdölförderung
Russland verfügt über ca. 10 000 Mio. t Erdöl, was bei einer Fördermenge von ca. 500 Mio. t (2008) noch 20 Jahre hält. (Würde nur Deutschland mit dem gesamten Erdöl, das in Russland gefördert wird, versorgt, so würden die Reserven noch für 100 Jahre, bei gleichbleibendem Energiebedarf Deutschlands von 100 Mio. t, reichen)
Westsibirien
Früher wurde das meiste Erdöl in Russland aus der Region des Kaspischen Meeres gefördert. Inzwischen hat sich das Förderzentrum jedoch über die Wolga-Ural-Region nach Westsibirien verlagert. Einschließlich des arktischen Schelfs an der Nordküste und den Halbinseln Jamal und Gydan, sind im Westsibirischen Tiefland ca. 2 Mio. km2 erdöl- und erdgas-höfig (es gibt Erdöl und Erdgas). Ein weiterer Vorteil Westsibiriens ist auch die gute bis sehr gute Qualität des Erdöls, da es einen nur sehr geringen Schwefelgehalt hat.
Probleme
Durch das kalte, polare Klima gibt es in Westsibirien aber auch große Nachteile für und durch die Erdölförderung:
- Der Permafrostboden taut, wenn die Ölraffinerien nicht sorgfältigst gedämmt werden, da durch die Förderung Wärme entsteht.
- Taut der Permafrostboden nimmt der sowieso schon hohe Versumpfungsgrad zu (ein großteil der Erdölförderung funktioniert nur, da große Sandflächen aufgeschüttet werden, Betonplatten oder Betonpfähle in den Boden gerammt werden)
- Durch den sumpfigen Boden kommt es häufig zu Erd- bzw. Schlamm-Rutschen bei denen unter anderem auch Ölpipelines brechen.
- Tritt Öl aus, kann das Öl durch das kalte Klima nur sehr langsam abgebaut werden, es bleibt über Jahrzehnte auf riesigen Flächen zurück.
Arktisches Ökosystem
Da auch die Landreserven in Westsibirien nicht ewig halten, orientiert sich Russland zunehmend an dem bis zum Nordpol reichenden russischen Sektors, da hier ca. 1/4 der weltweit bekannten fossilen Energieträger lagern soll. Diese Pläne führen allerdings auch zu politischen Streitigkeiten z.B. beansprucht Norwegen auch einen Teil dieses Sektors zur Erdölförderung. Im Visier aktueller Erschließungspläne steht daher die russische Küstenregion. Probleme hierbei sind allerdings, dass man noch keine technischen Erfahrungen mit Offshorförderung in der polaren Klimazone gemacht hat und daher auch sehr hohe Investitionen nötig sind.
Wer hofft, dass der Klimawandel eine Erleichterung bringen wird liegt allerdings falsch – Sollte das Klima ansteigen, wird das Eis nur dünner und schmilzt nicht ganz weg, dadurch hält des dem Wind nicht mehr lange stand, bricht und türmt sich zu bis zu 20 meterhohen Barrieren auf an denen selbst große Eisbrecher Schwierigkeiten haben.
Export
Durch die günstige Lage Russlands zu seinen Abnehmern (z.B. Europa/Asien) kann Erdöl und Erdgas mit Pipelines transportiert werden. Dennoch eignen sich nur wenige Standorte an der russischen Außengrenze für einen ungehinderten Transport, sodass es in den meisten Fällen zu einem Transit durch benachbarte Länder kommt (die Pipelines durchqueren benachbarte Länder). Politische Konflikte aber auch Preissteigerungen führen daher häufig zu Lieferunterbrechungen seitens Russland (z.B. 2008).