Die Weimarer Republik

Als die Oberste Heeresleitung (OHL) trotz der schon feststehenden Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg beschliesst, der Royal Navy eine letzte Seeschlacht zu liefern, bricht in Wilhelmshaven und Kiel der so genannte „Matrosenaufstand“ aus, der sich innerhalb weniger zur „Novemberrevolution“ in ganz Deutschland ausbreitete.

Am Tag der Abdankung Kaiser Wilhelms II. rief der SPD-Politiker Philipp Scheidemann die „Deutsche Republik“ aus, die zunächst vom „Rat der Volksbeauftragten“, je drei Vertretern der SPD und der USPD, regiert wurde. Am 19. Januar 1919 fanden die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt, die Verfassung trat schließlich am 14. August 1919 in Kraft — seit Februar 1919 amtierte der erste Reichspräsident Friedrich Ebert.

Nach über vier Jahren Krieg musste nicht nur eine zerrüttete Wirtschaft wiederhergestellt, ein Millionenheer an zurückkehrenden Soldaten resozialisiert und das Hungerproblem beseitigt werden. Abtretungen wie die des oberschlesischen Industriegebiets oder anderer wichtiger schwerindustrieller Kernräume wie Elsass-Lothringen oder das Saargebiet beschleunigten die Inflation, die zur Finanzierung des Krieges schon unter kaiserlicher Regierung begonnen hatte.

Im März 1920 rückten Freikorps-Truppen unter der Leitung des radikalen Antisemiten Kapp in die Hauptstadt Berlin ein und versuchten, die Regierungsgewalt zu übernehmen. Reichspräsident Ebert wich den Putschisten aus und rief zum passiven Widerstand auf, der durch massenhaften Streik befolgt wurde. Kapp und seine Helfer gaben auf. Ab der Reichstagswahl im Frühsommer 1920 ließen sich kaum noch stabile Koalitionen bilden — häufige Regierungswechsel waren die Folge.

Der im Juni 1922 von Rechten Attentätern erschossene jüdische Außenminister Walther Rathenau setzte einerseits auf Verhandlungen mit dem Westen, um die Reparationslast zu mindern, andererseits befand er sich im Dialog mit den kommunistischen Machthabern aus Moskau. Aus diesem Dialog entstand am Rande einer internationalen Wirtschaftskonferenz in Genua der so genannte „Vertrag von Rapallo“, mit dem Deutschland und die Sowjetunion die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen, den Grundsatz der Meistbegünstigung im Handel (Gleichberechtigung unter Vertragspartnern bei der Einräumung von Handelsvorteilen) sowie den gegenseitigen Verzicht auf Reparationsleistungen vereinbarten. In der Folge kam es zu einer Vertiefung des deutsch-sowjetischen Verhältnisses, die sich beispielsweise wenige Monate nach Rapallo in einer geheimen Militärkooperation ausdrückt.

In London und Paris reagierte man wenig erfreut auf den Rapallo-Vertrag, der schließlich mit zum Grund für den französischen Einmarsch ins Ruhrgebiet im Jahr 1923 wurde — offiziell hatte Paris diese Operation allerdings mit Reparationsverzögerungen seitens der Deutschen begründet. Der amtierende bürgerliche Reichskanzler Cuno reagierte mit dem Aufruf zum passiven Widerstand gegen die Besatzer — die Unterstützung der Streikenden durch das Reich trieb die ohnehin schon starke Inflation jedoch weiter an, da die Regierung noch mehr Geld drucken ließ, um ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Cunos Nachfolger Gustav Stresemann wollte das Reich außenpolitisch durch Verhandlungen aus der Verliererrolle führen, innenpolitisch verfolgte er das Ziel eines sozialen Ausgleichs, wobei er darauf bedacht war, die SPD in die Regierungsgeschäfte mit einzubinden. Im September 1923 verkündete er das Ende des „Ruhrkampfs“, durch die Einführung der „Rentenmark“ und eine stark begrenzte Geldmenge wurde der Inflation der Boden entzogen.

Am 9. November 1923 marschierte ein Trupp von etwa 2000 Mann, viele davon bewaffnet, vom Münchner Bürgerbräukeller in Richtung Feldherrnhalle, wo sie sich ein kurzes Gefecht mit der Polizei liefern. Diese Aktion der NSDAP ging statt des ursprünglich geplanten „Marsches auf Berlin“ als „Hitler-Putsch“ in die Geschichte ein — es war das erste Mal, dass Hitler reichsweit für Aufsehen sorgte. Hitler wurde festgenommen und wegen Hochverrat zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, von denen er lediglich ein Jahr verbüßen musste.

Die Jahre 1924 bis 1929 werden gerne die „goldenen Jahre“ genannt — der Außenminister Gustav Stresemann (1923 auch noch Reichskanzler) konnte gegenüber den Westmächten und der auf den Trümmern Russlands neu errichteten Sowjetunion an Bismarcks Gleichgewichtspolitik anknüpfen und die Versailler Nachkriegsordnung so Schritt für Schritt mit friedlichen Mitteln zugunsten des Reichs verändern. Nach der Einführung der Rentenmark und dem Ende des „Ruhrkampfes“ war in Deutschland der Weg zu einer Neuregelung der Reparationsfrage offen. Unter dem Vorsitz des amerikanischen Bankiers Charles Dawes wurde so Anfang 1924 der so genannte „Dawesplan“ erarbeitet, der die künftigen Reparationszahlungen an der deutschen Wirtschaft orientierte und auf 2,5 Milliarden Mark pro Jahr festsetzte. Weiterhin konnte Deutschland auf weitreichende Kredite aus Amerika bauen, mit deren Hilfe die deutsche Wirtschaft in den folgenden Jahren wieder florieren sollte.

Anfang 1925 starb Reichspräsident Ebert, als Ersatz wurde der Monarchist Hindenburg gewählt. Er war kein Freund der Republik — das sollte wenig Gutes für die Demokratie erwarten lassen.

Im Oktober 1925 trafen sich Vertreter von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei auf der Konferenz von Locarno. Hier entstanden Verträge wie ein gegenseitiger Gewaltverzicht zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien sowie die Akzeptanz des Status Quo durch das Reich (Entmilitarisierung des Rheinlands, Unverletzlichkeit der im Versailler Vertrag festgeschriebenen Westgrenzen Deutschlands). So war Deutschland nicht mehr isoliert und konnte als gleichberechtigter Partner in das Konzert der Großmächte zurückkehren: 1926 trat das Reich dem Völkerbund bei.

In steter Verfolgung der Ziele des Völkerbunds wurde 1928 in Paris von allen Großmächten der Briand-Kellogg-Pakt unterzeichnet. Auch „Kriegsächtungspakt“ genannt hatte er zum Inhalt, die Unterzeichner möchten die Lösung aller Streitigkeiten und Konflikte niemals anders als durch friedliche Mittel anstreben.

Nach dem Zusammenbruch der New Yorker Börse am 24. Oktober 1929 ging eine Schockwelle durch die gesamte Finanz- und Wirtschaftswelt. Die amerikanischen Banken, von deren Krediten die deutsche Wirtschaft abhängig war, begannen ihr Kapital aus Deutschland abzuziehen.

Erst 1929 wurde mit dem „Youngplan“ die endgültige Höhe der Reparationen auf ca. 2 Milliarden Mark und 59 Jahre festgesetzt, weiterhin konnte die deutsche Regierung politische Zugeständnisse erreichen. So wurde bis zum Juni 1930 eine vorzeitige Räumung des Rheinlandes anberaumt und die alliierte Wirtschafts- und Finanzkontrolle beendet.

Das Drängen mächtiger Kreise aus Industrie und Landwirtschaft brachten Hindenburg im März 1930 zur Ernennung des Zentrumspolitikers Heinrich Brüning zum Reichskanzler, der Deutschland mithilfe von Notverordnungen nach Artikel 48 der Weimarer Verfassung lenkte. Schon im September 1930 konnte Hitlers NSDAP, die bisher kaum Stimmen bekommen hatte, 18,3 Prozent der Wähler hinter sich bringen — die Kommunisten verzeichneten 13,1 Prozent. Fast ein Drittel der Bevölkerung hatte sich also für Parteien entschieden, die den Weimarer Staat bekämpften. Die politische Lage hatte sich unter der Regierung Brüning offensichtlich radikalisiert, alte Eliten aus Militär und Wirtschaft waren erstarkt.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Hindenburg als Nachfolger des Generals Kurt von Schleicher zum Reichskanzler ernannt — die Weimarer Republik war gescheitert, da sie keine allgemein akzeptierten Lösungen der Krisen entwickeln konnte und so von gut organisierten Gegnern aus den Angeln gehoben wurde.

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