Das Epochenjahr 1917 und die Russische Revolution

Im Hungerwinter 1916/17 starben sowohl im Deutschen Reich als auch in Russland Hunderttausende an Erschöpfung. Nahrungsmittel waren knapp, durch die Kriegswirtschaft und zunehmende Staatsverschuldung war auch kein Geld da. Die Kriegsmüdigkeit der deutschen Bevölkerung machte sich in ersten Streiks bemerkbar.

Am 1. Februar 1917 erklärte das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und begann, auch zivile Schiffe rund um England zu versenken. Nach der Versenkung eines amerikanischen Dampfers erklärten die USA am 6. April den Mittelmächten den Krieg, obwohl Wilson noch 1916 unter dem Motto „Er hält uns aus dem Krieg“ wiedergewählt wurde. Die Mehrheit der Amerikaner fühlte sich sprachlich-kulturell mit Großbritannien verbunden, außerdem konnte man sich eine britische Niederlage aufgrund großer Kredite zur Kriegsfinanzierung des „Mutterlands“ nicht leisten — Großbritannien durfte also nicht durch deutsche U-Boote vom Nachschub abgeschnitten werden.

Am 19. Juli 1917 brachte ein „Interfraktioneller Ausschuss“ des Reichstages eine Friedensresolution hervor, in der die Reichstagsmehrheit ein Ende des Krieges ohne Sieger und Besiegte bzw. Annexionen forderte — diese Resolution wurde von den Regierungen der Alliierten abgelehnt. Sie sahen darin ein Zeichen deutscher Schwäche und forderten den Kampf bis zum Siegfrieden, auch wenn die Menschen im eigenen Land sich sehnlichst Frieden wünschten.

In Russland war im Verlauf des Krieges ebenfalls eine zunehmende Kriegsmüdigkeit spürbar. Vom reformunfähigen und durch Intrigen am Hof schwachen Zaren wurde Ende Februar/Anfang März 1917 gefordert, seine Regierung dem Parlament (Duma) zu unterwerfen — Kriegsniederlagen und die mangelhafte Lebensmittelversorgung der Stadtbevölkerung verstärkten die Proteste. Da der Zar nicht auf die Forderungen einging, ernannten die Abgeordneten der Duma eine provisorische Regierung, die den Zaren zur Abdankung zwang und die Zarenfamilie festsetzte.

Da die Dumaregierung den Krieg jedoch fortsetzte, gewannen in vielen Städten die Sowjets (Arbeiterräte) an Macht. Aus dem Schweizer Exil kommend forderte Lenin in seinen „Aprilthesen“ eine Übernahme der Regierung durch die Bolschewiken, eine Enteignung von Großgrundbesitzern und Aufteilung des Bodens sowie ein sofortiges Ende des Krieges. Gestützt auf seine straff organisierte Partei konnte er die Macht an sich reißen — seine Ziele entsprachen den Wünschen des Volkes.

Oktoberrevolution: Während des zweiten allrussischen Sowjetkongresses in Petersburg besetzten Bolschewiken unter der Leitung von Leo Trotzki am 25. Oktober wichtige Punkte der Hauptstadt und nehmen die Regierung gefangen. Aus Protest gegen das undemokratische Vorgehen der Bolschewiken verlassen Menschewiken und andere Sozialreformer den Sowjetkongress, der damit nun vollständig in der Hand der radikalen Revolutionäre ist. Mit der Wahl Lenins zum Vorsitzenden (Regierungschef) werden die von ihm vorbereiteten Dekrete genehmigt (sofortiges Kriegsende und Enteignung der Großgrundbesitzer).

Die bolschewistische Revolution griff auf Moskau und andere Städte über und Lenin gründete noch 1917 die „Außerordentliche Kommission gegen die Konterrevolution“, einen Geheimdienst der kommunistischen Partei, der jahrzehntelang Angst und Schrecken verbreitete.

Die Nationalversammlung, bei deren Wahl die Bolschewiken nur ein Viertel der Stimmen erhielten, wurde von Lenin als unnützer „Debattierclub“ aufgelöst — so wurde die Einführung eines parlamentarischen Regierungssystems in Russland verhindert, die Herrschaft über 140 Millionen Menschen übernahmen künftig Berufsrevolutionäre, gestützt auf 200 000 gut organisierte Parteigenossen. Kritiker werfen Lenin vor, nicht der Lehre von Marx entsprechend eine Diktatur des Proletariats errichtet zu haben, sondern eine Diktatur über das Proletariat.

Entsprechend seiner Forderungen nach einem sofortigen Frieden schloss Lenin mit den Mittelmächten einen Waffenstillstand, anschließend sollte ein Friedensvertrag ausgehandelt werden. Während Verzögerungen seitens der Sowjets drangen deutsche Truppen immer weiter nach Russland vor, weshalb der russischen Delegation nichts anderes übrig blieb, als möglichst schnell ein Abkommen zu unterzeichnen.

So nahmen sie am 3. März 1918 in Brest-Litowsk einen von den deutschen Siegern diktierten Friedensvertrag an — Lenin stimmte trotz großer Gebietsabtretungen und Widerstand seiner Partei zu, er hoffte, dass auch in Deutschland die Kommunisten an die Macht kommen würden. Außerdem brauchte er Zeit, um sich um innenpolitische Probleme zu kümmern — unmittelbar nach dem Friedensschluss begann der Bürgerkrieg zwischen „den Roten“ (Lenins Revolutionären) und „den Weißen“ (Monarchisten und Liberale), während dem die Bolschewiken im Juli 1918 auch die gefangen genommene Zarenfamilie erschossen.

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