Metrische Analyse: Hexameter und Pentameter

Im Unterschied zur modernen Deutschen Metrik kommt es bei der antiken lateinischen oder altgriechischen Metrik nicht auf die Betonung der Silben, sondern auf Längen und Kürzen der Silben an.

Grundlegende Versmaße:

  • Der daktylische Hexamter:
  • Der daktylische Hexameter ist das in der Antike am häufigsten verwendete Versmaß. Ilias und Odyssee sind in Hexametern abgefasst, nach deren Vorbild auch das Römische Nationalepos, die Aeneis. Das Grundschema des Hexameters ist ein 6facher Daktylus (—uu). In den ersten 4 Versfüßen kann stattdessen auch ein Spondäus (— —) stehen. Der Letzte Versfuß besteht stets aus einer Länge und einer unbestimmten Silbe (Syllaba anceps)

  • Der Pentameter:
  • Der Pentameter ist ebenfalls ein sehr häufiges Versmaß, meist im elegischen Distichon verwendet. Das Grundschema besteht aus einem 2fachen Daktylus und einer einzelnen Länge. Dieses wird zweimal wiederholt. In der ersten Hälfte können die Kürzen auch durch eine Länge ersetzt werden, in der zweiten Vershälfte kommt dies nicht mehr vor.

  • Das elegeische Distichon
  • Das elegische Distichon besteht aus je einem Hexameter und einem Pentameter, die sich gleichmäßig Abwechseln.

Die Metrische Analyse

Bei der metrischen Analyse sind folgende Regeln zu beachten:

  • Naturlängen
  • Im Griechischen ist eine Silbe von Natur lang, wenn sie einen langen Vokal () oder einen Diphtong enthält. Enthalten sie einen kurzen Vokal (), so sind die Silben von Natur kurz. können sowohl lang als auch kurz sein.

  • Positionslängen
  • Folgen auf einen Vokal 2 oder mehr Konsonanten, so ist dieser lang (Ausnahme: Muta-cum-Liquida)

  • Muta-cum-Liquida
  • Folgt auf einen Vokal zwei Konsonanten, von denen der erste zu den Muta (p-Stämme: p, b, f; t-Stämme: t, d und k-Stämme: c, g), der zweite zu den liquida (m, n, l, r) zählt, so kann sowohl eine Länge als auch eine Kürze vorliegen.

  • Hiatkürzung
  • Folgt auf einen von Natur langen Vokal ein weiterer Vokal, so kann der erste Vokal gekürzt werden

  • Ellision
  • Folgt auf einen Vokal am Wortende ein weiterer Vokal am Anfang des neuen Worts, so kann der Endvokal ganz wegfallen; im Griechischen wird dies durch setzen eines Apostrophs gekennzeichnet, im Lateinischen stehen die Wörter dennoch unverändert.

  • Synizese und Synaloiphe
  • Außerdem können zwei aufeinanderfolgende Vokale zu einer einzelnen Silbe zusammengezogen werden. Im Wortinneren heißt das Synizese, zwischen zwei Worten Synaloiphe

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4 Kommentare zu Metrische Analyse: Hexameter und Pentameter

  1. Till Jagel sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren.

    Zunächst einmal möchte ich dieser Website mein Lob aussprechen: Ich finde, sie ist sehr gelungen und äußerst übersichtlich. Ich habe nur noch ein paar Verbesserungsvorschläge:
    Ich würde mir noch ein paar Details zu Betonungsmöglichkeiten (Pnthemimeres,…) wünschen.
    Außerdem wäre ich sehr erfreut, wenn die Beispiele bei mir sichtbar wären.
    Nur noch eine Kleinigkeit: In dem Satz „Folgt auf einen Vokal zwei Konsonanten“ müsste es eigentlich: „{Folgen} einem Vokal zwei Konsonanten“ heißen, da die Konsonanten im Plural sind.
    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich finde die Seite sehr schön und freue mich auf eine mögliche Verbesserung.

    Liebe Grüße,
    Till Jagel

    • Fein sagt:

      Bei der antiken lateinischen oder altgriechischen Metrik ist die Betonung der Versfüße, die aus den Silben bestehen, immer mit deren Längen und Kürzen gekoppelt. Und zwar fängt ein Versfuß immer mit dem Niederschlag beim Skandieren an. Werden Versfüße zu einem Metrum verschmolzen bzw. zu einem Vers (also ihre eigene Gültigkeit aufgehoben zu einer erweiterten neuen), dann wird auch die Betonung eine andere (Takt). Niederschlag und Aufhebung bleiben immer und überall erhalten. (Vgl. z.B. Augustinus, Musik, 1962) F. Fein

  2. Christian Christopher Bergemann sagt:

    Wirklich sehr gelungen ich bin Schüler und diese Website wird mir helfen meine Lateinklausur gut durchzustehen… VIELEN DANK 😀

  3. Fehlerteufel sagt:

    „Elision“ schreibt man so, nämlich mit einem L. Wäre schon gut, wenn philologische Betrachtungen ohne falsch geschriebene Fachbegriffe publiziert würden.

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