Fischerei in Island

Naturraum und Ressourcen

Island ist die größte Vulkaninsel der Welt und wird als touristisches Ziel immer bedeutender. Als gewaltigste Erhebung des Mittelatlantischen Rückens liegt Island in einer Zone, die tektonisch sehr unruhig ist — nach der Theorie der Plattentektonik ist die Erdkruste an ozeanischen Rücken gebrochen und bieten heißen Gesteinsströmen Möglichkeit, an die Oberfläche vorzudringen. Auf diese Weise entsteht Land — Island wächst durch den Vulkanismus schon seit 16 Millionen Jahren.

Doch nicht nur Landgewinn ist für Island ein Vorteil der Vulkanaktivitäten. Schon 75% der Bevölkerung werden mit geothermaler Heizungsenergie — also Erdwärme — versorgt, des weiteren bezieht die Hüttenindustrie ihre Energie auf diese Weise.

Ressourcen und deren Nutzung

Doch der wichtigste Naturschatz Islands sind die Fischbestände vor der Küste. 1975 wurden die Wirtschaftsflächen Islands durch die Festlegung eines 200 Seemeilen breiten Fischereigürtels vor der Küste gewaltig vergrößert, mit enthalten sind die Schelfgebiete, die für die Fischwirtschaft am wertvollsten sind. Im Schelf herrschen durch das Zusammentreffen von kalten und warmen Meeresströmungen günstige Temperaturbedingungen, ein weiterer Faktor für hohe Planktonproduktion und den Fischreichtum in Küstennähe ist die Nährstoffreiche der Tiefenwasser, die hier nach oben kommen und von Licht durchflutet werden.

Das Resultat sind ungefähr 150 verschiedene Fischarten, von denen etwa 20 von wirtschaftlicher Bedeutung sind — Beispiele wären hier der Kabeljau, der Schellfisch, Lodde, Heilbutt sowie der Seelachs.

Wie wichtig Fisch für die isländische Wirtschaft ist, kann man sehr schön daran sehen, wie die Exportgüter verteilt sind: Wir sehen hier 9,6% für Aluminium sowie 14,4% für Wolle und andere Güter — doch den größten Teil nimmt die Sparte “Fisch und Fischprodukte” ein, die mit stolzen 76% die Statistik dominiert. Nicht zuletzt liegt es also am Fisch, dass Island im Einkommensvergleich pro Kopf im Ringen um die Weltspitze ganz oben dabei ist.

Problematik der Fischerei

Doch natürlich gibt es nichts, was einfach problemlos und super funktioniert und einem nur Vorteile bringt. Lange Zeit folgte die Fischerei vor Islands Küste einem Rythmus, der durch Naturbedingungen gesteuert war — so wurde beispielsweise Kabeljau und Schellfisch nur saisonal auf Laichgründen im Süd-Westen gefangen, Planktonfresser wie Lodde oder Hering im Grenzbereich zwischen warmen und kalten Strömungen (dort liegen die Orte mit der größten Planktonproduktion), nur Fischschwärme, die sich von der Meeresbodenfauna ernähren wurden ganzjährig gefangen.

Um die Jahrhundertmitte kam dann der Umschwung: Die Fangflotten wurden vergrößert und die Technologie immer effektiver, wodurch die Ausbeute um ein vielfaches stieg. Wieso? Die großen modern ausgerüsteten Fangboote gehören Gesellschaften oder Gemeinden, die einzelnen Arbeiter werden nach festen Löhnen oder Fangbeteiligungen bezahlt — wenn die Betriebskosten steigen da beispielsweise Lohnerhöhungen nötig sind, muss eben mehr gefangen werden.

Einen weiteren Beitrag zu einer regelrechten Eskalation des Fischfangs hin zum Raubbau an den Beständen leisteten außerdem bis 1975 die Flotten modern ausgerüsteter Fangboote, die vor allem aus Großbritannien und Deutschland kamen und mit Hilfe von Gefrier- und Fabrikschiffen die Fänge direkt auf See verarbeiteten.

Die Kabeljaukriege

Um die Zukunft der nationalen Fischwirtschaft zu sichern, verfolgte die isländische Regierung seit der Staatsgründung im Jahr 1944 zwei Wege: Zum Einen wurde die einheimische Fischerei durch Fangquoten, vorgeschriebene Fangzeiten, Mindestmaschengrößen bei den Netzen, strenge Kontrollen und hohe Strafen bei Verstößen eingeschränkt, zum Anderen regionalisierte man die Fischereirechte auf See — dadurch war es nicht mehr möglich, lange Fangtouren mit großen Flotten zu unternehmen, da der Bereich, in dem man die Erlaubnis zum Fischfang hat, begrenzt war.

Island hat seine Hoheitsgewässer als Lebensgrundlage seiner Bevölkerung von Anfang an schrittweise erweitert:

  • 1949 kündigte man das “Dreimeilenabkommen” von 1901
  • 1952 gab es die so genannte “Viermeilenzone”
  • 1958 erweiterte man die Fischereizone auf 12 Seemeilen, woraufhin Großbritannien seine Fangboote von Kriegsschiffen eskortieren lässt (UN und NATO greifen schlichtend ein)
  • 1972 wird die 50-Meilen-Zone, innerhalb derer im folgenden Fanggeräte von fremden Schiffen von der isländischen Küstenwache zerstört werden — Island droht mit NATO-Austritt, USA schlichten
  • 1975 erfolgt eine weitere Erweiterung: Die 200-Meilen-Zone steht auf der Tagesordnung. Die Reaktionen: Die Bundesrepublik Deutschland verbietet jegliche Einfuhr isländischer Fischereiprodukte, alle diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Island werden abgebrochen. Wiederum fahren britische Kriegsschiffe als Begleitschutz, wiederum droht Island mit einem NATO-Ausstieg, wiederum erfolgt eine Schlichtung durch die USA.

Durch die isländische Aktivität wurden nicht nur die nationalen Fischereierträge Islands stark gesteigert und die Fänge fremder Nationen gesenkt, sondern auch das internationale Seerecht in Bewegung gebracht — die 200-Meilen-Zone gilt heute weltweit als Wirtschaftszone des Küstenstaates, wodurch entsprechende Staaten auch Bodenschätze wie beispielsweise Öl als ihr Eigentum betrachten.

Neuere Entwicklungen

Um der Problematik des Zwangs zu immer höheren Produktionszahlen zu entgehen, und der Krisenanfälligkeit der großen Hochseefischerei entgegenzuwirken arbeiten heute 50% der isländischen Fischer nicht mehr auf großen Trawlern (Schleppnetzfischern), sondern auf kleineren, im Familienbesitz befindlichen Kuttern (“kleine Hochseefischerei”: man fängt nicht mit Schleppnetzen, sondern mit stationären bzw. Reusen).

In der Erhaltung der Ressource Fisch unterscheidet man grundsätzlich zwei Wege: Beim sog. “sea ranching” werden große Mengen an Jungfischen herangezüchtet und dann zur Mast ins offene Meer entlassen — ein anderer Weg ist das “sea farming”: Bei dieser Methode werden beispielsweise Lachse und Forellen in Süßwasserbecken angezüchtet und zur Mast in geschützten Meeresbuchten in großen Schwimmnetzen gehalten.

Interessante Zahlen

Um die gewaltige Größe der isländischen Fischereizone zu begreifen, ein paar Zahlen: Die Landesfläche Islands beträgt insgesamt 103 000 km², betrachtet man das Schelfgebiet, kommt man auf 111 000 km². Der gesamte 200 Seemeilen breite Gürtel der Fischereizone hat jedoch eine Fläche von 758 000 km² — in Relation zur alleinigen Landesfläche also wirklich gewaltig.

Wie wird der gefangene Fisch verkauft? Zu was wird er verarbeitet? 1949 wurden knapp 45% der Fänge in Island frisch verkauft, 20% als Gefrierfisch und je 15% als Salzfisch bzw. Fischmehl und -öl. 1965 sehen diese Zahlen ganz anders aus: Der Anteil an Fischmehl und -öl in der Produktion kletterte auf 60%, Gefrierfisch knickte leicht ein und Trocken- bzw. Frischfisch hatten einen Anteil von je 5%. 1980 teilte sich der Markt auf zwischen Trockenfisch (5%), Salzfisch (knapp 15%), Gefrierfisch (30%) und Fischmehl bzw. -öl (50%).

Die Anzahl der Beschäftigten in der Fischwirtschaft nimmt trotz der hohen Bedeutung der Fischprodukte im Export stetig ab. Waren 1980 noch 15% der berufstätigen Isländer in Fischerei und Fischverarbeitung tätig, so waren es 1984 schon nur noch 13% — heute summiert man die Zahl der Beschäftigten in Landwirtschaft, Fischerei und Fischverarbeitung auf insgesamt 10%.

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3 Antworten auf Fischerei in Island

  1. Pingback: Isländische Rosinenpicker | Alltägliche Wahrheiten

  2. Karen garber sagt:

    Bin auf der such nach Beiträgen über fischfabriken auf Island!!!
    Danke

  3. Franz Neubauer sagt:

    Danke für die hilfreichen Informationen. Ich würde gerne wissen wie viele Fischerboote in der isländischen Fangflotte tätig sind, da es ja die größte Fangflotte der Welt ist.

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