Dieser Artikel behandelt die Person des historischen Faust, der unter anderem Goethe zu literarischen Werken animierte.
Georg Faust lebte von etwa 1480 bis 1540 und gelangte dank seines Rufs als Magier zu großem Ruhm. In den 500 Jahren bis heute wurden an die 20.000 Faust-Werke geschrieben — zunächst sollen allerdings drei historische Quellen ausgewertet werden:
1. Der Trithemius-Brief (1507)
Der Abt Johannes Trithemius war vielseitiger Gelehrter und auch als Hexentheoretiker bekannt. In einem Brief an Johann Virdung im Jahre 1507 spricht er sehr negativ über Faust, den er der schwarzen Magie bezichtigt. Er beschreibt ihn als Nekroment (Geisterbeschwörer), Astrologe, Handleser und Alchimisten, außerdem war Faust auch als Schulmeister tätig.
2. Das Bamberger Rechnungsbuch (1520)
Laut dem Bamberger Rechnungsbuch von 1520 ist Faust als Astrologe sowie — im Dienst des Bischofs — als Wahrsager tätig. Interessant ist letzteres wegen der Verbindung zur Kirche — der vorher genannte Abt Trithemius gab an, sich nur mit sogenannter weißer Magie zu beschäftigen und konnte nur knapp dem Scheiterhaufen entkommen. Auf der anderen Seite beschuldigt er Faust, durch schwarze Magie im Bund mit dem Teufel zu stehen — trotzdem kann er für die Kirche arbeiten.
3. Der Index Sanitatis (1539)
Im Index Sanitatis, der in etwa zum Todeszeitpunkt Fausts erscheint, wird Fausts Tätigkeit wie folgt beschrieben: Er ist Magier, Handleser und Wahrsager, zusätzlich übt er den Beruf des Arztes aus und gilt als Betrüger.
Fazit
Insgesamt scheint Faust ein kirchenfeindlicher Scharlatan zu sein — was jedoch gegen seine Tätigkeit als Wahrsager im Dienste des Bischofs sprechen würde. Laut der Quellen leidet er an Selbstüberschätzung, doch auch die Behauptung des Abtes Trithemius, Faust würde sich an Knaben vergehen, ist mit Vorsicht zu genießen — steht dieser doch im offensichtlichen Konflikt mit Faust. Zusammenfassend lässt sich Faust zumindest als schillernde historische Figur beschreiben — das Interesse an ihm ist durch die vielen Veröffentlichungen zu seiner Person klar ersichtlich.
Literarische Auseinandersetzung mit Faust
Nicht nur Goethe hat die Figur Faust inspiriert — im folgenden eine kurze Aufstellung der bedeutendsten Werke:
- 1587 erscheint die erste Abfassung des “Volksbuch”
- 1725 erscheint die letzte Ausgabe des erwähnten “Volksbuches”, das Goethe in jungen Jahren als Lektüre diente
- 1588 beschäftigte sich Christopher Marlowe mit Faust, aus seinem Drama wird später ein Puppenspiel
- 1808 bzw. 1832 erscheinen Goethes Faust I bzw. II, die er in 4 Schaffensperioden zwischen 1772 und 1831 verfasste
- 1947 erschien Thomas Manns Roman “Doktor Faustus”
- 1960 wird die berühmte Hamburger Inszenierung mit Gustav Grödgens aufgeführt