Allgemeine deutsche Burschenschaft und Karlsbader Beschlüsse

Am 12. Juni 1815 — vier Tage nach der Gründung des Deutschen Bundes — wurde in Jena die Urburschenschaft (eine Art Studentenvereinigung) gegründet. Ihre Mitglieder kamen teilweise aus dem Freikorps des preußischen Majors Adolf von Lützow, dessen Farben Schwarz-Rot-Gold sie unter dem Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ übernahmen. Sie sahen sich als Vorreiter einer nationalen Einheit und traten gegen die Kleinstaaterei ein, indem sie eine demokratische Verfassung im Rahmen der Monarchie forderten, die nationale, christliche und freiheitliche Werte vertreten sollte.

Erhoben von dem Gedanken an ein gemeinsames Vaterland, durchdrungen von der heiligen Pflicht, die jedem Deutschen obliegt, auf Belebung deutscher Art und deutschen Sinnes hinzuwirken, hierdurch deutsche Kraft und Zucht zu erwecken, mithin die vorige Ehre und Herrlichkeit unsres Volkes wieder fest zu gründen und es für immer gegen die schrecklichste aller Gefahren, gegen fremde Unterjochung und Despotenzwang zu schützen, ist ein Teil der Studierenden in Jena zusammengetreten und hat sich beredet, eine Verbindung unter dem Namen einer Burschenschaft zu gründen.

Verfassungsurkunde der Jenaischen Burschenschaft

Des weiteren traten die antifranzösisch und antisemitisch geprägten Studenten der Burschenschaft für Rechtsgleichheit und Pressefreiheit ein, was 1819 in der Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue gipfelte. Im weiteren Verlauf erließen die Regierungen des Deutschen Bundes strenge Verbote jeglicher studentischen Organisierung an den Hochschulen und verhängten ein im ganzen Deutschen Bund gültiges Berufsverbot für Professoren, die den Studenten unliebsame politische Ideen vermittelten.

Teil der sogenannten „Karlsbader Beschlüsse“, deren tragende Figur der österreichische Staatskanzler Fürst von Metternich darstellte, war also ein Spitzelsystem an den Universitäten sowie eine Bücher- und Zeitschriftenzensur. Doch auch dieses hauptsächlich auf Polizeigewalt gestützte System konnte dem Drängen der liberalen Kräfte nicht auf Dauer standhalten, die Formierung des national-liberalen Bürgertums wurde hierdurch nur um etwa 10-20 Jahre verzögert.

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