Werner Bergengruen: Die letzte Epiphanie

Werner Bergengruen, 1944:

Ich hatte dies Land in mein Herz genommen,
ich habe ihm Boten um Boten gesandt.
In vielen Gestalten bin ich gekommen.
Ihr aber habt mich in keiner erkannt.

Ich klopfte bei Nacht, ein bleicher Hebräer,
ein Flüchtling, gejagt, mit zerrissenen Schuh‘n.
Ihr riefet dem Schergen, ihr winktet dem Späher
und meintet noch, Gott einen Dienst zu tun.

Ich kam als zitternde, geistesgeschwächte
Greisin mit stummen Angstgeschrei.
Ihr aber spracht vom Zukunftsgeschlechte
und nur meine Asche gabt ihr frei.

Verwaister Knabe auf östlichen Flächen,
ich fiel euch zu Füßen und flehte um Brot.
Ihr aber scheutet ein künftiges Rächen,
ihr zucktet die Achseln und gabt mir den Tod.

Ich kam, ein Gefangener, als Tagelöhner,
verschleppt und verkauft, von der Peitsche zerfetzt.
Ihr wandtet den Blick von dem struppigen Fröner.
Nun komm ich als Richter. Erkennt ihr mich jetzt?

Wortwahl:

  • aus biblischem Kontext (Zusammenhang zur Bibel)
  • Gegenüberstellung “Ich” zu “Ihr” (Gegensatz/klare Abgrenzung/Anklage)
  • Klimax “verschleppt, verkauft, zerfetzt” (Alliteration)
  • “stummer Angstschrei”: Oxymoron (Beklemmung)

Syntax:
Anaphern, Parallelismus, enumeratio und die Frage zum Schluss lassen sich wie folgt deuten:

  • immer mehr Prüfungen
  • immer gleiche Reaktion seitens der Menschen
  • Anklage, Drohung und Skepsis

Bildlichkeit:
Das “Herz” (Zeile 1) als Teil Gottes, eine Metapher dafür, dass Gott etwas an den Menschen liegt.

Über Julian

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3 Antworten auf Werner Bergengruen: Die letzte Epiphanie

  1. 800XE sagt:

    Was oder wer ist Ephipanie

    Ich bin Linux/Genome/Galeon User
    Das Entwicklerteam vom Browser Galeon hat sich gespalten, und die abgespaltenen nennen Ihren Browser Ephipanie.

    Beide bassieren auf der Mozilla/Gecko Engine

    Gruß (aus dem ww23)
    Andy 800XE Zmuda

  2. Maasda sagt:

    Hi 800XE,
    Epiphanie bedeutet schlicht “das Erscheinen (eines) Gottes unter den Menschen”.

    Bei WikiPedia findet man das noch etwas ausführlicher.

    Grüße,
    Julian

  3. Udo sagt:

    Zum biblischen Zusammenhang siehe Markusevangelium Kapitel 12, Verse 1-12.

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